Ein bisschen Hass muss sein

Dann kommt das Glück von ganz allein. 1:0 gegen Braunschweig, ein kochendes Millerntor, und wieder trifft Sobiech – danke hsv!

Der Weg zum Stadion war diesmal gewöhnungsbedürftig. Wie viele andere Fans hetzte ich direkt von der Arbeit oder sonst wo her zum Millerntor. Hier klingelte sich jemand hektisch radelnd durch die Menschentraube, dort wurde eine Ladung Braunschweiger samt „Scheiß Sankt Pauli“ ausgekippt. „Zusammen“ mit dem Team angeschwitzt und ohne nötige mentale Vorbereitungszeit betrat ich die halb gefüllte Südkurve weniger als 30 Minuten vor Anpfiff. Auch wenn es nichts Neues ist: In der Woche 17:30 Uhr Anpfiff geht gar nicht.

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Weiter, weiter, weiter

Auf dem Zaun empfing alle Südkurvler auf einer Tapete die Aufforderung, auch in dieser Phase das Team zu unterstützen. Nachdem viele in Aue in den letzten 20 Minuten wenig Lust dazu hatten, war das die richtige Reaktion für das Spiel. Auch das Banner „Das ganze Stadion“ auf der Haupt ging in diese Richtung.

Die Anfangsphase war auf den Rängen wie auf dem Feld bemüht, aber zurückhaltend. Der ohnehin dezimierte Kader war durch den Magen-Darm-Infekt von Thorandt um einen Ausfall reicher. Auch deshalb kamen die beiden Nachwuchskicker Andrej Startsev und Okan Kurt zu ihren Startelfdebüts. Um es vorweg zu nehmen: Beide, insbesondere Startsev, haben ihre Premiere mit Bravour gemeistert.

Die ersten Minuten gehörten gefühlt den (Braun-)Weißen. Ein Kopfball von Kringe ging aber deutlich am Tor der Eintracht vorbei. Braunschweig versuchte auch körperlich dagegenzuhalten. Nach einem Check gegen Buballa (der später deshalb ausgewechselt werden musste), gab es immerhin die Ecke für St. Pauli. Hinter mir rief jemand trotzig: „Jetzt einfach das 1:0 machen“. Tatsächlich sollte das, wenn auch über Umwege, gelingen. Kringe machte die Szene nach dem Standard wieder gefährlich und fand mit seiner unorthodoxen Hereingabe die Murmel von Sobiech. Der Jubel war bei allen mehr oder minder Beteiligten wirklich enorm. Stichworte „Last“ und „Herz“.

Braunschweig macht den St. Pauli – nur  in unbeliebt

Zuletzt war es prinzipiell egal, ob der FCSP in Führung oder Rückstand geriet. Es tat dem Spiel der Braun-Weißen in beiden Fällen nicht gut. Das war diesmal anders. Meggle hatte seinem Team eine klare und geordnete Defensive verpasst, an der sich Braunschweig über weite Teile die Zähne ausbiss. Tatsächlich erinnerte mich das Spiel der Gäste frappierend daran, wie St. Pauli zuletzt in vielen Partien agiert hatte. Viel Ballbesitz, wenig Raumgewinn, wenig Torgefahr.

Die Braunschweiger, denen die Sympathien am Millerntor fast schon traditionell zufliegen wie Pinguine, eigneten sich neben dem Schiedsrichter als willkommenes Vehikel des Unmuts. Ein paar Kleinigkeiten und unsaubere Aktionen hier (der 3er), ein paar strittige Nichtpfiffe da (Gelbwürdiges Foul an der Außenlinie an Rzatkowski), und schon brodelte das Rund. Dieses wennauch etwas übertriebene „Wir gegen die“ könnte durchaus leistungssfördernd gewesen sein. Nach mäßigem Start empfand ich die Stimmung als hervorragend. Die Mischung aus lautem und druckvollem Gesang und spielbezogenen Emotionen passte einfach. Vor allem die Schlussminuten waren dafür beispielhaft. Bei jedem Angriff der Braunschweiger ging die Spannung hoch und die Lautstärke runter, nur um dann bei Balleroberung der Jungs in Braun umso mehr durch die Decke zu gehen.

Sprungkraft²

Ein paar bemerkenswerte Beobachtungen sind bei mir noch hängen geblieben. Zum einen die Dominanz von Sobiech in der Luft, von wo aus er nicht nur zum siegbringenden Treffer traf.  Die Braunschweiger gingen später zum Teil nicht mal mehr hoch, wenn Lasse zum Kopfball ansetzte. Zum anderen war da der Ein-Mann-Platzsturm, der Tschauner schon mal vorab zu den drei Punkten gratulierte. Muss er natürlich nicht machen, allerdings fand ich die Reaktion von Ordnern und Spielern außergewöhnlich souverän. Und: Selten schaffen es Flitzer mit einem solch schönen Hüpfer wieder zurück in die Zuschauerränge. „Dank“ Stadionkameras wird der Gute wahrscheinlich dennoch überführt werden.

Sobiech, Startsev, Kurt: Ein hsver (ohne den wir übrigens nur drei Punkte hätten) und zwei U-23-Spieler waren die auffälligsten Kicker dieses Spiels. Zudem kam nach dem Seitenwechsel mit Uphoff ein weiterer Spieler der Zweiten zum ersten Profieinsatz. Der Rest des Teams spielte durchaus solide, auch wenn selbstredend nicht alles rund lief. Zwei Akteure, die selten mit Lob überhäuft werden, möchte ich an der Stelle hervorheben. Der eine davon ist Nöthe, der gegen Braunschweig mit einer mehr als ordentlichen Leistung, viel Einsatz und guten Ballmitnahmen zumindest mich überzeugen konnte. Das wird seine Kritiker wohl kaum bekehren. Aber „selbst“ bei Nöthe ist nicht alles schlecht. Der andere ist Verhoek, dessen Trefferquote noch Luft nach oben hat. Ich kann mir nicht helfen, aber mir gefallen John und seine unbändige Spielweise. Niemals nie würde ich gegen ihn spielen wollen. Dafür sprechen auch die Zahlen: Verhoek hat gestern die meisten Zweikämpfe der Heimelf gewonnen. Allein seine Marotte, sich neuerdings (?) immer wieder theatralisch fallen zu lassen, kann er sich gerne schnell abgewöhnen. Dann bekommt er vielleicht auch mal wieder einen Freistoß.

Ein Videotipp zum Schluss: Schönes Interview nach dem Spiel mit Schulle, der seinen Cheftrainerposten trotz des Sieges räumen muss. Da können die Leute noch so rumlabern, Timo ist ein Guter.

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5 Gedanken zu “Ein bisschen Hass muss sein

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