Relegation ausweiten!?

Gehasst, erhofft, mit Spannung verfolgt: Seit 2009 zieht die Relegation nach Saisonende Millionen von Fußballguckern mehr oder minder freiwillig in ihren Bann. Dabei stehen die Extra-Spiele, die über Auf- und Abstieg entscheiden, immer wieder in der Kritik. Gedankenspiele dazu.

34. Spieltag, die Saison ist vorbei, die Entscheidungen sind gefallen. Bis auf die (inter)nationalen Pokalfinals steht die wohlverdiente Sommerpause mitsamt mehr oder weniger wichtigen Turnieren bevor. Vier Proficlubs legen jedoch eine Extra-Schicht ein, die an Spannung kaum zu überbieten ist. Mit der 2009 wiedereingeführten Relegation zwischen 1. und 2. sowie 2. und 3. Liga geht es in Hin- und Rückspiel um Auf- und Abstieg.

Neben der vielzitierten “Spannung und Dramatik” hatten die Entscheider sicherlich auch die Ausweitung der Monetarisierung im Blick. Zumal die Relegation nicht wie in anderen Ligen sportlich notwendig ist: Hier kämpfen nicht doppelte so viele Aufsteiger um eine begrenzte Zahl an Startplätzen eine Etage weiter oben. Und: Die TV-Sender mussten vermutlich ebenso wenig zu vier zusätzliche Live-Übertragungen gezwungen werden.

Zwischen Rettungsanker und ärgerlicher Aufstiegshürde

Die betroffenen Teams, Vereine sowie deren Fans stehen dieser Konstruktion in aller Regel gespalten gegenüber. Während die Drittplatzierten sich – im Vergleich zur Regelung mit drei direkten Aufsteigern – um ihren sicheren Platz eine Liga höher betrogen fühlen, ist Platz 16 für den Relegationsteilnehmer oft der letzte Rettungsanker. Sicherlich gibt es auch manche Anhänger, die prinzipiell auf eine Relegation verzichten würden – auch dann, wenn ihr eigenes Team auf dem 16. Platz landet. Die dürften, so meine Annahme, im Fall der Fälle aber eine kleine Minderheit sein. Bleiben die neutralen Zuschauer, die sich durchaus an “Spannung und Dramatik” oder am Leid(en) der (Stadt)Rivalen erfreuen können.

Dennoch: Die Kritik an den “zwei Spielen fürs Fernsehen”ist ist zahlreich: “Schafft die Relegation ab!”, “Weg mit der Relegation!”, “Bis einer weint”. Die Ablehnung speist sich kurz gefasst aus folgender Argumentation: Der vermeintliche Absteiger hat 34 Spieltage Grütze gespielt, der Drittplatzierte eine tolle Saison hinter sich. Beide haben sich den Wechsel in die jeweils andere Liga also kontinuierlich und damit redlich verdient. Genau dieser Ligenwechsel wird durch die Relegation mehr oder minder willkürlich in Frage gestellt, die Saisonleistung auf zwei Spiele zugespitzt und im schlimmsten Falle auf den Kopf gestellt.

Den Abstieg verdient?

Gegenfrage: Womit und wie verdient sich ein Team einen Auf-/Abstieg? Mit der Platzierung? Dann müsste man ausschließlich für direkte Auf- und Absteiger plädieren, deren Anzahl bleibt aber dennoch willkürlich. Oder mit der Leistung? Dann bekommen wir gleich drei Probleme.

  1. Der 16. bzw. 3. erreicht seine Platzierung relativ in einem für eine Saison geschlossenen System in Abhängigkeit zu den anderen Teams. Szenario in Liga 1: Potente langjährige Erstligisten sichern sich mit Ach und Krach die letzten Nichtabstiegsplätze. Mein eigentlich durchschnittliches Zweitligateam landet in der ersten Bundesligasaison seit 25 Jahren knapp dahinter, spielt gemessen an seinen (wirtschaftlichen) Möglichkeiten folglich eine tolle Saison.
  2. Die Platzierung sagt weder etwas über die absolut geholten Punkte noch über das Torverhältnis aus. Es kann also ein Team den dritten Platz mit dickem Vorsprung holen (wie derzeit Nürnberg), es kann aber auch jemand 16. statt 15. werden, weil er nur ein Tor zu wenig geschossen hat. Damit hat es jeweils die Platzierung verdient, aber auch den Abstieg?
  3. Womit wir beim letzten Problem wären: Niemand weiß, wie gut oder schlecht der potentielle Absteiger im Vergleich zum möglichen Aufsteiger ist. Ob der Austausch also verdient ist, wird man mangels fehlendem Vergleichs nicht feststellen können.

Damit wären wir mittendrin in der Relegation. Denn genau die stellt den Vergleich, zumindest zwischen 16. und 3., her. Warum aber nur hier? Womit hat Frankfurt die Möglichkeit verdient, gegen Nürnberg seinen Hintern zu retten, Hannover aber nicht (gegen Freiburg). Mein Vorschlag deshalb: Weitet die Relegation aus. 18. gegen 1., 17., gegen 2. und wie bisher 16. gegen 3. Und jedes Team hat die Möglichkeit, seine Tauglichkeit für diese oder jene Liga im direkten Vergleich mit einem anderen Wettbewerber unter Beweis zu stellen.

Thema durch? Noch nicht so ganz. Denn eine klare Ungerechtigkeit bleibt. Der Ligenhöhere geht – den TV-Geldern sei Dank – mit einem deutlich teureren und damit vermeintlich besseren Kader in die K.o.-Duelle. Ob das nun höher wiegt als die bereits nachgewiesene Unfähigkeit, daraus etwas zu machen, bleibt aber fraglich. Ist das am Ende gerecht? Und wie lautet die Alternative? Die hieße bei so vielen Unwägbarkeiten immer noch: Relegation abschaffen.

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