Einfach mal die Fresse halten

Und singen, schreien, unterstützen.

Es ist wie so oft im Leben. Die Dinge, die wir uns vornehmen, und die, die wir dann auch umsetzen, liegen manchmal so weit auseinander wie unser FC St. Pauli und die Aufstiegsränge. Leidenschaft, volle Lautstärke und drei Heimpunkte – all das hat nur in Teilen geklappt. So lässt einen das 1:1 gegen den FSV Frankfurt auf dem Rasen und den Rängen ein wenig ratlos zurück. Weiterlesen

Die Rückkehr der Zukunft

Ein längst vergessenes Gefühl. Aus einer grauen Vorzeit. Ok, ich übertreibe. Aber: Das Gewonnenhaben ist ein völlig fremdgewordenes Gefühl. Nach einem ziemlich perfekten Tag – Frühling, Sonne, Auswärtssieg –  kann ich das Erlebte noch gar nicht einsortieren. Außerdem: Ja, bis jetzt ist ein feuchter Dreck gewonnen. Außer natürlich drei Punkte in Braunschweig.

Regeln sind da, um sie zu brechen. Und Bier, um es zu trinken

Während die Auswärtspleite in München noch mit reichlich Bier hinfortgespült werden konnte, drohte für den Trip nach Braunschweig die nüchterne Realität ihre unschöne Fratze zu zeigen. Alkoholverbot im Metronom war nichts Neues. Darüber hinaus sollte für die gesamte Zugstrecke Glasflaschen- und Pyroverbot gelten. Die Metronom-Ansage übertraf die Allgemeinverfügung der Bubus™(Bundesbullizisten) sogar noch, indem sie ein vollständiges Alkoholverbot für die relevanten Verbindungen herbeierfand.

Durst macht bekanntlich erfinderisch, so dass einige Zugreisende bereits zum Frühstück ihr ihnen zustehendes Erfrischungsgetränk genießen durften. Spätestens im Braunschweiger Bahnhof – jenseits der Fantrennung – herrschte ohnehin Anarchie. Glasflaschen, Alkohol – allein Pyro hatten sie beim Imbiss gerade nicht vorrätig. Mit einem Sightseeing-Shuttle-Bus (Themenfahrt: „Die schönsten Äcker rund um Braunschweig“) ging es bei (herz)erwärmendem Wetter Richtung Stadion.

Fünf Fäuste für den Auswärtssieg.

Fünf Fäuste für den Auswärtssieg.

Die Laune im Gästeblock war bereits vor Anpfiff allerbestens. So, als könnte nichts schiefgehen. Die Angst einfach wegsingen. Oder zumindest davon ablenken. Über 90 Minuten hat es lange nicht mehr so Freude gemacht zu singen und laut zu sein. Das Spiel sollte sein übriges zum Vergnügen beitragen.

Allgemeinverfügung: Verlieren verboten

Das Team konnte über weite Strecken endlich mal das umsetzen, was es sich nach meinem Gefühl  schon in den vergangenen Spielen vorgenommen hatte. Eklig und giftig sein, wenig selbst machen und dann zuschlagen. Dazu hatte es in Braunschweig das, was man im Fußball immer, im Abstiegskampf ganz besonders braucht. Das Glück, das den Teams im Tabellenkeller nicht gerade an den Hacken klebt.

Unsere Offensive, besonders unsere nominellen Stürmer, standen zuletzt immer mehr in der Kritik. Weil sie höchst selten fähig dazu waren, was so ein klassischer Stürmer machen sollte: Tore schießen. Dass und wie Nötheverhoekbudimir Chancen vergibt, ist sicher ärgerlich. Das ist aber vermutlich ein gleich zweifach falscher Ansatz. Zum einen haben wir bekanntlich die meisten Gegentore bekommen. In Braunschweig konnte man schön sehen, wie wichtig das „zu Null“ ist. Dann reichen eben auch zwei Standards um zu gewinnen. Zum anderen sollten wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass unsere Angreifer diese Saison noch zu Knipsern mutieren. Nehmen wir, was wir haben. Ob Wühler, Kampfhund oder eben Nöthe. Schaffen sie Räume oder holen sie Ecken heraus, die zu Toren führen, kann und muss das reichen. Dann machen eben die Verteidiger die Tore.

0:2!

0:2!

Auch wenn unseren Spielern in den vergangenen Wochen hin und wieder Lustlosigkeit unterstellt wurde, mangelte es gerade daran eben nicht. Problem war viel mehr, dass aller Einsatz und Wille jederzeit mit einem Fehler zum Einsturz gebracht werden konnte. Dazu kam die fehlende Fähigkeit, selbst mit einer Führung für Sicherheit zu sorgen.

Hoffnung

Was haben wir gewonnen außer Selbstvertrauen und die Lust am Spiel? Nicht viel soweit. Gehen wir aber davon aus, dass unser Team nach über sieben Monaten weiß, wie es in dieser Liga bestehen kann, kehrt die Hoffnung langsam in unsere verlebten Körper zurück. Auf der Rückfahrt kam mir ein Element des Filmklassikers Zurück in die Zukunft in den Sinn. Während das Teamfoto unseres Zweitligakaders der Saison 2015/16 in den vergangenen Monaten immer mehr zu verblassen drohte, kehren die Rzatkowskis und Schachtens nun langsam zurück auf den Teamschnappschuss. Ob auch unser Film ein Happy End haben wird?

Weitere Berichte in Wort und Bild:

Bilder von USP

Randnotizen: #btsvfcsp #awaydays

Fangirl 1910: Es geht doch

South End Scum: Matchday 24

Kleiner Tod: Gewolltes Wunder

Breitseite St. Pauli: Da staunt sogar der Vorsänger

Zum Leben zu wenig

…für Liga drei leider nicht zu viel. Nächster Spieltag, nächster Tiefschlag. Okay: Nicht verloren. Ein Punkt ist ein Punkt ist ein Punkt (ist zu wenig!). Der Zug in Richtung dritte ist noch nicht abgefahren. Aber der Heizer hat schon ordentlich Kohle auf der Schippe. Elf Stationen haben wir noch Zeit, um die Weichen in die richtig Richtung zu stellen. Machen wir’s! Egal wie. Egal, wie schwer es fällt.
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