Kalte Dusche alla Breisgau

Grenzenlos FCSP im Wechselbad der Gefühle zwischen Fußball, Nutella und Fischbrötchen.

Kennt ihr das auch, dass die Zeit an manchen Orten einfach irgendwie schneller vergeht? Also am Sonntag ist mir das wieder passiert. Als ich nochmal schnell unter die Dusche gehen wollte, war es Viertel nach eins – und als ich aus der Dusche wieder rauskomme, steht es 1:0 für Freiburg. Tolle Wurst. In der 3. Minute haben sie uns gleich einen reingedängelt. Auch für die Wiederholung komme ich zu spät. Mit nassen Haaren (quasi als begossener Pudel) setze ich mich zu den anderen Daheimgebliebenen aufs Sofa. Also nix da mit „als Außenseiter befreit aufspielen und zur Spitze aufschließen und noch ein bisschen im Aufstiegsrennen mitmischen usw usf“. Da rauscht in der 5. Minute Thy heran und hat eine hervorragende Kopfballchance vor dem Tor der Freiburger – könnte ja doch noch was werden heute: Forza St. Pauli!

Leider passiert danach erstmal eine Menge Nichts. Auch die Freiburger sind nicht gerade gefährlich, abgesehen von einer hochkarätigen Doppelchance in der 22. Minute. Himmelmann hingegen pariert  zweimal glänzend. Der unbedarfte Laie (= ich) sieht bis hierhin ansonsten ein recht ausgeglichenes Fußballspiel (den Führungstreffer habe ich ja verpasst), der Experte (= Fernsehkommentator) erkennt allerdings die Überlegenheit der Freiburger. Da bin ich natürlich erstmal aus Prinzip dagegen. Leider werde ich jedoch eines Besseren belehrt, und zwar in der 35. Minute: Freiburgs Grifo versenkt einen Freistoß in unserem Tor, und zwar indem er den Ball sehr gekonnt und frech unter der hochspringenden Mauer durchschiebt – Respekt, starkes Ding! Ist aber dann doch irgendwie kacke, weil es ja jetzt schon 2:0 gegen den FCSP steht usw usf.

Da das Spiel nun doch eine unerfreulich-klare Tendenz entwickelt und die Leute im Schwarzwaldstadion alle so gut gelaunt gucken, werfe ich mal einen Blick auf meine Wetter-App. Freiburg im Breisgau: 16° sonnig, nur leicht bewölkt; Hamburg-St. Pauli: 14° bewölkt, wenig Sonne. Sie sind uns also auch an der Wetterfront überlegen, verdammt! Auch wenn der FCSP in den letzten fünf Minuten der ersten Hälfte noch einmal eine gute Phase hat, gehen wir mit dem 2:0-Rückstand in die Pause. Ab in die Küche, höchste Zeit für ein aufbauendes Nutella-Brötchen (leider verpasse ich so die erneute Wiederholung des 1:0).

Zweite Hälfte

1Der SC Freiburg beginnt erneut druckvoll, der FCSP spielt zu umständlich, vor allem das Umschaltspiel wirkt zäh wie ein auf dem Grill vergessenes Nackensteak. Dann aber die 55. Minute: Ein Tor wie aus dem Nichts für die Boys in Brown! Ecke Buchtmann, Kopfball Ziereis gegen die Latte, der Abpraller geht aus dem 5-Meter-Raum irgendwie über die Linie. Es kursieren verschiedene Gerüchte über den Torschützen: erst ist es Thy, dann Nehrig, vermutet wird auch ein Eigentor der Freiburger, soll mir alles recht sein. Das Spiel ist wieder offen, Anschlusstreffer, 2:1!

Nun ja, leider gilt das nur für läppische fünf Minuten. In der 60. Minute kriegen wir die nächste kalte Dusche durch die Breisgauer verpasst, 3:1. Ich bekomme das leider nur indirekt über den Fernsehton mit, weil ich mir – mich in trügerischer Sicherheit wiegend – gerade in der Küche ein Forellenfilet-Brötchen zubereite (Anmerkung: Euphorie und Frust wirken bei mir gleichermaßen appetitanregend). In der Wiederholung ärgere ich mich darüber, dass der Freiburger Spieler mit der Nummer 26 (Maximilian Philipp) den Ball eine gefühlte Ewigkeit über das Spielfeld tragen darf, bis er einfach selbst trocken abzieht und das Leder im Tor unterbringt. Stark gemacht, ist aber dann doch irgendwie kacke, weil es ja jetzt 3:1 gegen den FCSP steht usw usf.

Nun“, denke ich mir, „die Nummer ist dann wohl endgültig durch“. Aber weit gefehlt: Nach Vorlage Hornschuh macht Alushi das Ding in der 75. Minute aus rund 20m mit einem Sahneschuss rein. Bäm, 3:2, erneuter Anschlusstreffer, ein Wechselbad der Gefühle – und endlich mal eine Druckphase des FCSP! Das mit dem Brötchenschmieren lasse ich jetzt, zu gefährlich, man könnte was verpassen (im Osterkörbchen auf dem Tisch ist noch Schokolade, damit kann ich arbeiten). Leider scheint das Spiel aber einem gewissen Algorithmus zu folgen, und der läuft so ab: Nach einem Anschlusstreffer durch den FCSP darf der SC Freiburg die ursprüngliche Führung und somit den gebührenden Abstand von zwei Toren Unterschied wiederherstellen. Passiert dann auch, nämlich in der 85. Minute durch einen ziemlich schönen Kopfball des Spielers mit der Nr. 20 (Marc-Oliver Kempf) ins obere linke Eck. Ist aber dann doch irgendwie kacke, weil es ja jetzt 4:2 gegen den FCSP steht usw usf.

Der zweite, noch perfidere Bestandteil des Algorithmus besagt, dass der FCSP – und zwar einzig und allein zu dem Zweck, die Nerven seiner Fans übermäßig zu strapazieren – nach einem Zwei-Tore-Vorsprung des SC Freiburg erneut einen Anschlusstreffer erzielen darf. Passiert dann auch, zum dritten Mal, und zwar in der 90. Minute nach einem Elfmeter wegen Foul an Hornschuh. Sobiech trifft ins untere linke Eck – nur noch 4:3, und es gibt drei Minuten oben drauf! Fast verschlucke ich mich an einem Stückcken Alpenmilchschokolade, als Sobota sich in Minute 90+2 im Mittelfeld auf und davon macht in Richtung Freiburger Tor – das hätte was werden können! Leider wird er durch ein taktisches Foul gestoppt. Wie unsportlich: Buuuuhhh!!

Danach ist alles Essig, die Schokolade alle und Schluss im Breisgau. In mir bleibt eine gewisse Leere, die selbst ein Käsesandwich nicht zu füllen vermag. Vielleicht gehe ich nochmal duschen, oder ich lege mir einen kalten Waschlappen auf die Stirn. Ach so: Den Treffer zum 1:0 hat übrigens der Freiburger Kempf erzielt (habe ich in meiner Fußball-App nachgeguckt).

 

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