Der Hannover-Blues

Konnte ich das Debakel der erst wenige Tage zurückliegenden Berlinreise noch mit einer guten Portion Humor und Süffisanz überspielen (siehe „Julklapp in Köpenick“), so hat die Fahrt nach Hannover doch gewisse Spuren hinterlassen: I’m down.

Nüchtern betrachtet wäre das vielleicht gar nicht unbedingt nötig: Eine Niederlage gegen den heißen Aufstiegskandidaten 96 muss man wohl – gerade auswärts – einplanen. Und es war ja auch längst nicht alles schlecht, was die Braun-Weißen da vor 49.000 auf dem Rasen hingelegt haben; aber dass wir uns mal wieder so ein absolut überflüssiges und dämliches Gegentor einfangen (0:1 in der 76. Minute), nervt mich einfach zu Tode. In der Nachspielzeit dann noch gnadenlos ausgekontert zu werden (0:2 in der 93. Minute), ist doppelt schmerzlich und ein fieser Genickschlag; das eigentliche Problem aber liegt woanders. Hierzu ein – zugegebenermaßen etwas aus dem Zusammenhang gerissener – O-Ton unseres Trainers von der Pressekonferenz direkt nach dem Spiel:

Bildschirmfoto 2016-10-02 um 16.40.13

Das nenne ich mal eine sachliche Analyse. Man könnte es vielleicht noch etwas blumiger ausdrücken, bspw. mit Metaphern aus der Tierwelt: ‚Der braun-weiße Tiger hat seine Krallen verloren und schafft es nicht, seinen Stall sauber zu halten.’ Alternativ maritim: ‚Vorne ist Flaute, hinten schlägt das St. Pauli-Schiff Leck.’ Oder nihilistisch: ‚Vorne nichts und hinten nichts.’ Naja, das macht die Sache jetzt auch nicht besser.

So, ich höre jetzt vorerst auf mit Miesepeterei und Sarkasmus, aber eine kleine Portion davon muss man dem leidgeplagten FCSP-Anhänger dieser Tage schon mal zugestehen. Ich hoffe ja immer noch darauf, dass ‚der Knoten platzt‘, aber mein Optimismustank läuft langsam echt auf Reserve. Der KSC und Bielefeld haben sich heute auch noch gemeinsam gegen uns verschworen, und nun stehen wir über die Länderspielpause auf dem letzten Tabellenplatz … SMS ans Grenzenlos-Auswärts-Team gestern, unmittelbar nach Abpfiff:

„Klopf klopf, ich bin es: das kleine Abstiegsgespenst.“

Ich würde sagen: Ein klarer Fall für die Ghostbusters in braun-weiß!

Was bleibt sonst von dieser herbstlichen Auswärtsfahrt an den Maschsee? Eine unfassbar humane Abfahrtszeit des Sonderzugs (8:59!!!), die Feststellung, dass Metronom-Züge keine idealen Sonderzüge sind, eine schicke Choreo und die Erkenntnis, dass es zu Hause doch am schönsten ist.

Zum Thema Stadion-Aktionen der 96-Fans möchten wir uns übrigens gerne Groeni anschließen, der es nicht treffender hätte formulieren können: 

„Damit komme ich dann zum Aufreger des Tages: Niveaulimbo auf Seiten der Hannoveraner. Sexistische Kackscheisse. Schon die Eckenpräsentation eines Möbelhauses war ein Knaller: „Mehr Matratzen als auf der Reeperbahn“. Das war schon vor 20 Jahren nicht mehr lustig. Dazu passt dann auch, dass der Stadionsprecher fast hyperventilierte, als eine Frau im Halbzeitspiel einen Ball in ansprechender Form in Richtung eines Betonmischers schoß. Als ob Frauen kein Fussball spielen könnten.

 

 

Der Oberknaller war aber das Fanbanner, das die komplette erste Halbzeit bei den Hannoveranern hing. Bei Spielbeginn noch „Kämpfen, bis die Fetzen fliegen“ wurde kurz nach Spielbeginn „Kämpfen, bis die Fotzen liegen“. Das O mit Sankt Pauli Vereinsemblem versehen. So eine infantile Scheisse traue ich schon nicht mal Braunschweigern zu.“

 

Wir sehen uns nächsten Spieltag gegen Aue, endlich wieder Millerntor.

 

Weitere Berichte in Wort und Bild

Stefan Groenveld – Auswärtsfahrt nach Hannover

USP – Bilder

Admit Nothing – Abgestanden (inkl. kleiner Twitter-Schau)

Nice Guys – #senfdazu25

South end scum – matchday 08

Kleiner Tod – Der Ausflug nach Hannover…

Magischer FC – Leben ist einmal mehr aufzustehen, als hinzufallen

 

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