Unfassbar gut

Eine Leistung, so gut, dass es eine Frechheit war. Wenn der FC St. Pauli nach Monaten des Dahindarbens eine 4:0-Gala gegen Düsseldorf hinlegt, dann dürfen die Emotionen auch mal hinterher hinken. Aber was zählen die schon, im Vergleich zum Klassenerhalt.

Das Spiel dürften wohl die allermeisten von uns gesehen haben – ob im ausverkauften Millerntor oder „live“ im Fernsehen. Doch Fußball sehen und verstehen sind immer zwei Paar Schuh. Das gilt eigentlich immer, wenn Hobbytrainer Spielanalyse betreiben wollen. Und das gilt umso mehr, wenn ein sich seit Wochen mühender, aber häufig erfolgloser Abstiegskandidat solch eine Leistung abliefert. 4:0 gegen die Fortuna, Doppelpack unseres Debütanten und drei Punkte, die im Tabellenkeller entgegen jeder Mathematik doch mehr wert sind als eben drei Punkte.

Immer schön halblang mit der Freude

Der Jubel war entsprechend groß. Aber war er auch berechtigt? Ok, ich möchte weder den großen Mahner noch den Zweckpessimisten spielen. Das Spiel war allererste Sahne. So viel gilt es festzuhalten. Für den Moment gibt es also allen Grund, der Freude freien Lauf zu lassen. Aber Profi-Fußball ist nunmal kein „live for the moment“. Da kann ich das Davor und das Danach nicht einfach rausrechnen. Schon gar nicht emotional (oder lag alles nur daran, dass ich mich am Vorabend so abgeschossen habe wie St. Pauli die Fortuna?). Und da liegen nun mal Enttäuschung, Verzweiflung und Kopfschütteln so nah beieinander wie Millerntor und Dom. Ganz ehrlich: Angesichts all des Frusts in dieser Saison kam ich mir verarscht vor. Das ist so ungerecht gegenüber der Siegerelf vom Montag –  wie es sich echt anfühlt. Unmittelbar drängte sich mir die Frage auf: Warum erst jetzt? Warum nicht öfter? Was mich zum Danach führt. Wir sind „mittendrinner“ denn je im Kampf um Platz 16 oder sogar 15. Der Trend spricht für uns. Seit dem 23. Spieltag, also nach den beiden Tiefpunkt-Niederlagen gegen Fürth und 1860, haben wir die meisten Punkte der letzten fünf Teams geholt. Mittlerweile tun wir sogar was für das Torverhältnis. Sieben Spieltage vor Saisonende ist also alles drin – vom Klassenerhalt über die Relegation bis hin zum direkten Abstieg.

Unser Pech ist aufgebraucht

Es wird sicher noch mehr Rückschläge geben. Der „erste“ droht bereits am Freitag in Karlsruhe. Die Jungs werden das Spiel sicher nicht so schnell herschenken, wie die Fortuna. Dennoch hoffe ich, dass unser sich arg beutelndes Team sich nicht nur gefunden hat, sondern Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit in die eigenen Aktionen bekommt. Insofern hat Ewald alles richtig gemacht. Die Viererkette hinten sollte bis zum 34. Spieltag gesetzt sein. Koch ist ohnehin eine Klasse für sich, neben dem auch Daube seine beste Leistung überhaupt abliefern kann. Gerade die Wechsel zu Sobota, Buballa, Verhoek und Choi (besser geht’s nicht, Junge) waren in der Summe entscheidend, weil alle Vier einen starken Auftritt hingelegt haben. Dass auf der Kehrseite auch eine Reihe von Spielern steht, die das bislang zu selten hinbekommen haben, ist leider so. Dennoch: Nach so viel Grütze, Pleiten und Pannen könnte der FCSP noch gerade rechtzeitig sowohl Form als auch das Tor wiedergefunden haben. Dass auch die anderen – wie beim 2:0 Fortuna-Keeper Rensing – mal daneben greifen, macht doch Mut. Vielleicht gibt es doch Gerechtigkeit. Zumindest mathematisch. Und allein das zählt am Ende.

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