Die große Leere

Wir gewinnen! Und zwar für desolate Sechziger. War das Fürth-Spiel vielleicht doch nur die Vorhölle? Was ist die Steigerung von Verzweiflung?

Nein, ich werde ihn nicht sagen. Diesen so kurzen und so vernichtenden Satz. Nein. Das war’s noch nicht. Nicht, dass ich Zweckoptimismus versprühen will. Gar keine Lust dazu. Aber aufgeben ist (noch) keine Option. Nicht  für das Team, nicht für Ewald, uns schon gar nicht für uns. Dass und wie wir aber das nächste Spiel gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten verlieren, sorgt für eine ratlose Leere bei vielen Braun-Weißen.

Suchbild: Wo ist die Arena? Tipp: Halten Sie Ausschau nach der größten Wolke.

Die Fahrt nach Bayern sollte sich dank ICE-Hochgeschwindigkeit schneller und bequemer als so manche Busfahrt ins Irgendwo gestalten. Den Hamburger Nachtregen vergessen und bei zehn Grad plus und Schnee in München ankommen, fühlte sich schon mal ganz passabel an. Am dortigen Hauptbahnhof wurde die zahme Meute erstmal pro forma von der Ordnungsmacht aufgestoppt – zumindest teilweise. So konzeptlos ist nicht mal unser Fußball. Die Arena auf dem platten Land zeigte sich unbeleuchtet und war so kaum vom Himmel zu unterscheiden. Wunderschön. Passte aber auch irgendwie, so grau und finster ist nun mal ein Duell 17. gegen 18. in Liga zwei.

Fantrennung war dem Sicherheitskonzept der Arena ein Fremdwort. War aber wohl in weiten Teilen auch stressfrei. Deutlich penibler waren die Ordner bei den Fanutensilien. 15 Doppelhalter durften in den Gästeblock – und keiner mehr. Scheiße, wenn die Leute durch unterschiedliche Eingänge reinkommen. Da geht die selbst konstruierte Ordnung schnell flöten. Dass Leute mit einem Halter mit der Aufschrift „Kein Fußball den Rassisten“ noch zusätzliche Schwierigkeiten hatten reinzukommen, ach Sechzig. Hat dann aber wohl doch noch geklappt.

Das Spiel haben sicher die meisten von euch sehen müssen. Auf Einzelkritik habe ich überhaupt keinen Nerv. Klar war in der einen Szene das Stellungsspiel mies, hätte in der anderen Situation jemand mehr draus machen müssen. Aber mal ehrlich: Das Team, dessen Einsatz ich mal wieder nicht in Abrede stellen kann, hatte als Verbund genügend Chancen auf einen Sieg. In der ersten Hälfte hatte Sechzig keinen einzigen Torschuss, und geht dennoch mit einer Führung in die Pause.  Am Ende stehen für uns 17 zu 3 Torschüsse und 5 zu 0 Ecken auf der Habenseite. Die Löwen waren tatsächlich erschreckend schwach. Noch erschreckender ist aber, dass wir gegen die verlieren. Letztlich lässt es sich so zusammenfassen: Während 1860 drittligareif gespielt hat, haben wir eine drittligareife Punkteausbeute. Und die ist letztlich entscheidend.

So sehn Verlierer aus. Schalalalala.

Die Stimmung im Block war zu Beginn sehr verhalten. Das mag aber nur zum Teil an den vergangenen Wochen gelegen haben. Gedämpfte Akustik, Megaphon-Verbot und kein Zaun oder Podest zum Vorsingen vorhanden – das fällt organisierter Support schwer. Das führte dazu, dass der Kern im unteren Teil etwas anstimmte, das die Menge über uns spät wahrnehmen konnte. Wurde lautstark eingestimmt, waren die Leute unten wiederum kaum noch zu hören. Folge war, dass viele Gesangsmotivierte einen Kanonbrei entwickelten, der echt beschissen klang. Die Vorsängercrew reagierte zur zweiten Halbzeit  und positionierte sich besser sicht- und hörbar. Das tat der Stimmung deutlich gut.

Stichwort Stimmung: Die war nach Abpfiff, vorsichtig ausgedrückt, etwas angespannt. Ich würde es mal der verbreiteten Verzweiflung und der Angst vor dem Gang in Liga drei zuschreiben, dass die Kicker des FCSP, die nach dem Spiel an den Zaun kamen, punktuell nicht sehr höflich empfangen wurden. Angesichts der Situation nicht unbedingt hilfreich, aber noch gerade so im Rahmen.

Das Schlusswort überlasse ich Fanclubkollegen A. Ob dessen Statement auf der Rückfahrt grenzenloser Optimismus oder schon Sarkasmus war, konnte ich nicht herausfinden. Hoffen wir, dass er so oder so Recht hat.

Unsere Zeit kommt noch. Selbst wenn wir gegen Aue Haue kriegen. Dann schlagen wir halt den BTSV und Union, dazwischen montags die Fortuna, und bähm, sind wir zurück!

Nachtrag zum Thema Phrasendreschen von Trainer und Team:

Zunächst einmal seziere ich Vorspiel-, PK-, und Feldreporter-Zitate grundsätzlich nicht. Spieler haben bei vielen Interviewformen lediglich die Aufgabe, (irgend)etwas Druck- beziehungsweise Veröffentlichbares zu sagen. Schweigen ist da keine Option. Klar, ist das der nächste Gegner der Schwerste, vergangene Spiele werden abgehakt und Konzentration, Griffigkeit und Kaltschnäuzigkeit sind so logische wie gern gewählte Spielziele. Dass das Grundvoraussetzungen für Profifußballer sind, die – Menschen wie wir – sie dann doch nicht immer erfüllen, ist auch klar. Was erwarten wir also von derartigen O-Tönen: Analysen, klare Kante? Und das am besten auch noch in einer sportlichen Situation wie der jetzigen, die vermutlich nicht nur uns Rätsel aufgibt? Werden wir nicht bekommen. Am Ende muss auch gar nicht jeder einzelne Spieler nicht funktionierende Mechanismen erkennen und Lösungen anbieten. Dafür gibt es eine sportliche Leitung. Die Spieler sollen es zumindest umsetzen können. Ich hoffe und gehe davon aus, dass richtige Fehleranalyse intern stattfindet. Dass dort Probleme klar angesprochen und aus dem Weg geräumt werden. Nicht im Hau-drauf-Stil, aber auch nicht mit den Phrasen, mit denen wir versorgt werden. Wie gesagt, das hoffe ich. Sollte das nicht der Fall sein, haben wir mehr Probleme als leere Worthülsen.

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4 Gedanken zu “Die große Leere

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