Der Anfang vom Anfang

Wochen und Monate der Rückschläge sind vorbei. Endlich passen sowohl Leistung als auch Ergebnis des FCSP, der zum ersten Mal seit dem 4. Oktober wieder gewinnt. Trainer, Team, Fans: Alle zusammen kaufen ebenfalls abstiegsbedrohten Aalenern vom Anpfiff an den Schneid ab. Und: Diesmal reicht es zum dreifachen Punktgewinn. Der Anfang ist gemacht. Zur Winterpause stehen wir aber auf dem 17. Platz und damit vor einem schweren Weg aus dem Keller.

Vier Tage nach dem denkwürdigen Personaltausch inklusive Trainerwechsel und nur drei Tage nach der Auswärtsniederlage bei Tabellenführer Ingolstadt stand für Ewald Lienen das Heimdebüt am Millerntor an. Die Leistung in Oberbayern machte durchaus Mut, gegen den tabellarischen Nachbarn aus Aalen Punkte (meint logischerweise drei Stück) zu holen. Die Situation war klar: Ein Sieg wäre nicht nur für die stets bemühten, aber fast ebenso häufig erfolglosen Kicker in Braun und Weiß ein Hoffnungsschimmer, mit dem sie in die Winterpause gehen könnten. Sollte man verlieren, wäre der Abstand zu einem Konkurrenten mal eben auf satte sieben statt einem Zähler angewachsen.

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Mal wieder ein Hoffnungsschimmer. Diesmal berechtigt.

Die Signale vor dem Spiel waren vielversprechend. Der Himmel öffnete an diesem Tag gern und weit die Schleusen. Der passende (Nähr)Boden für eine engagierte Partie war schon mal gelegt. Zum Aufwärmen der Teams betrat dann auch Ewald Lienen erstmals als Trainer unserer Elf das Stadion. Wie schon in Ingolstadt heizte er (diesmal allerdings nicht einem Häufchen von ca. 1000 Leuten) den Fans mit wilden Gesten und unverständlichen Worten ein. Der weiß jedenfalls, wie er die Leute einstimmt. Eine richtig starke Einstimmung bot auch die Choreo in der Süd, die die magische Verbindung zwischen Fans und Team auch in unerfreulichen Zeiten beschwor.

Das Wichtigste und Beste bekamen wir dann aber auf dem Feld zu sehen. Dort reihte sich die Leistung des Teams nahtlos in die eben erwähnten eindrucksvollen Eindrücke. Vom Anpfiff weg zerfurchte, pöbelte und spielte die Lienen-Elf den Gast immer wieder in Bedrängnis. Alle wahre und halbgare Kritik (Leidenschaftslosigkeit, kein Teamzusammenhalt, nicht zweitligareif) schienen für die ersten 45 Minuten für immer überwunden. Lattentreffer, Pfostentreffer, richtiger Treffer – durch Verhoek. Selten in dieser Spielzeit fühlte sich unser Spiel so gut und richtig an. Lediglich ein weiteres Tor wäre verdient und wichtig gewesen, denn zu Null spielen wir in der Regel ja nicht.

Diese Sorgen sollten sich aber nach der Pause legen. Ein erzwungenes Eigentor der Aalener und ein Treffer von Lennart Thy, der damit seine bisher beste Saisonleistung krönte, räumte alle Bedenken aus dem Weg. Dass in der Schlussphase die Souveränität etwas abhanden kam, schreibe ich mal dem Einsatz auf tiefem Geläuf zuvor und der damit verbunden Ermüdung zu. Wenn man dank der körperlichen Investitionen 3:0 führt, hat sich das ganze aber vollauf gelohnt.

Und dann hat so ein Spiel noch seine ganz besonderen Geschichten. Die zuvor kaum berücksichtigten und dann von mir gescholtenen Nehrig und Görlitz liefern ein wirklich gutes Spiel voller Willen ab. Ein Tom Trybull, auferstanden von den Totgesagten, darf nicht nur in der Schlussphase seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder spielen, sondern legt sogar noch das dritte direkt auf – ein wahrlich seltener, fast integrativer Moment im Profisport. All das macht mir Hoffnung, dass wir nach der Winterpause – mit wenigen Korrekturen – mit genau diesen Leuten über den rettenden Strich springen können. Schwer genug bleibt es freilich.

Die halbe Mannschaft singt und tanzt mit uns

Mit dem Schlusspfiff allerdings freute sich das Rund, als wäre der Klassenerhalt bereits erreicht. Nach einer solch langen Durststrecke ist das so verständlich wie in Ordnung. Vor allem etwa 100-200 Leute in der Süd konnten vor lauter Freude nicht aufhören zu singen und tanzen. Der ganze Spaß wurde noch dadurch gekrönt, dass viele Spieler nicht nur zurück an den Zaun kamen, sondern den Block zum Mitfeiern enterten. So verließen wir erst weit über eine Stunde nach Abpfiff das Stadion.

Wer bei dieser Aktion, direkt nach Abpfiff oder in den Interviews die Gesichter der Spieler sehen konnte, hat vermutlich auch die riesige Erleichtung sehen können. Für den Moment freut es mich. Der Abwärtsstrudel (gar nicht so lecker wie Apfelstrudel) ist durchbrochen und die Wintervorbereitung kann mit positiver Grundstimmung angegangen werden. Wenn Ewald das Team weiter verbessern kann, bleibt uns der Gang in Liga drei am Ende wahrscheinlich doch noch erspart. Walk on!

Weitere Berichte in Bild und Wort:

Übersteiger: 19.Spieltag (H) – VfR Aalen

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Keep calm and follow St. Pauli: Mit Ewald aus dem Keller?

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2 Gedanken zu “Der Anfang vom Anfang

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