Ein Lichtlein brennt

Ist es das verlachte Licht, das der Trainer nach dem Lautern-Spiel bemühte? Oder doch nur die Grubenlampe eines verrußten Schachtarbeiters, der uns den Weg in die Niederungen des deutschen Fußballs leuchtet? Drei Führungen in Bochum machen Mut – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Weil der eine Punkt keinen großen Hüpfer in der Tabelle bedeutet.

Die Blume im Revier

Allen Widrigkeiten zum Trotz („Erfolge“ der letzten FCSP-Spiele, Mitfahrgelegenheit ab Bremen – der Mensch, nicht das Auto – röchelt und fällt aus). So schwebte ich teuer, aber stressfrei per Bahn noch Bochum und hatte dort noch genügend Zeit für eine Sightseeing-Tour.

Eine Besichtigung der Opel-Herstellung hatte ich glücklicherweise nicht geplant. So mancher unkte, dass St. Pauli die geschundene Opelaner-Seele zumindest ein wenig trösten würde. Dennoch bietet die Stadt fürs Auge doch eine Menge. Ein Innenstädtchen, in der sich ein einziger Weihnachtsmarkt in Nachkriegsarchitektur schmiegt. Darüber weiß typischer Ruhrpottschick das geübte Auge zu begeistern.

Von besonderem Reiz ist auch die Zuwegung über die Castroper Straße. Vor allem die weithin sichtbaren Flutlichtmasten, die die Vorfreude auf dem Weg ins Stadion mit jedem Meter größer werden lassen. Auch wenn die Umgebung am Millerntor aufgrund der dichten Bebauung etwas anders aufgebaut ist, werden mir die alten Flutlichter unseres Stadions fehlen. So ist es halt, wenn man in der Vor-Arena-Zeit sozialisiert wurde.

Nach einem kleinen Stopp bei der äußerst zackigen, regional typischen Bedienung, die mir ein lecker Pils verabreichte, ging es rein ins Stadion. Der Gästeblock war dann baulich wie menschlich dazu angetan, volle Lautstärke für einen möglichen Auswärtspunkt zu geben. Richtig gute Stimmung herrschte bereits beim Warmmachen der Braun-Weißen. Schon da deutete sich an, dass Himmelmann anstelle von Tschauner im Tor beginnen würde. Eine viel diskutierte, aber sicher nicht einfache Entscheidung für Meggle. Ansonsten ließ der Stand an Verletzten wenig Spielraum für Wechsel. Lediglich Thy und Bahn rückten als fitte Spieler von der Startelf auf die Bank, dafür kamen Maier und Verhoek Apropos Verletzte: Nicht nur ich dürfte mit einiger Freude festgestellt haben, dass sich Schnecke im Gästeblock eingefunden hatte. Ohne in Diskussionen um den Bedarf an „Identifikationsfiguren“ einsteigen zu wollen: Ich finde es gut zu wissen, dass wir manchmal doch Jungs anfeuern, die ein Stück unserer Passion teilen.

Hier im Ruhrgebiet, verspiel’n wir den Auswärtssieg

Damit sind schon beim Auftritt der Elf auf dem Feld. Die hatte bereits am vergangenen Spieltag durchaus Einsatz usw. gezeigt – am Ende allerdings mit so wenig Punkten wie möglich. Der Aufritt in Bochum war allerdings nicht nur gewollt, er war auch gekonnt. Offensiv strahlten die Spieler eine lange nicht mehr gesehene Selbstverständlichkeit aus. Das Resultat war erstaunlich logisch: gute Spielzüge, herausgespielte Chancen und schnörkellose Tore. Verhoek, Daube, Maier. Bum, bum, bum. Auch defensiv geriet der FCSP ganz selten mal in Bedrängnis. Bochum wurde zum einen früh gestört und zu Fehlern ermuntert, zum anderen in der eigenen Hälfte zu wenig kontrollierten Pässen in den Sechzehner verleitet. Der Clou an der Sache: Trotzdem klingelt es drei Mal im Tor von Himmelmann. Ein echtes Kack-Eigentor (und das meine ich unter der Prämisse, dass Eigentore immer kacke sind *Nachtrag: Jetzt darf ich den lachhaften Freistoß für Bochum direkt vor dem Tor bestaunen. Passt.), ein verlorenes Kopfballduell und der beste Angriff des VfL reichen, damit wir trotzdem nur einen Punkt mitnehmen.

Ist die Leistung, die immerhin überhaupt mal wieder Zählbares zur Folge hatte, nun das Licht am Ende des Tunnels? Skeptiker werden sagen, dass es aufgrund des biederen Gegners und der Siege von Aalen und Sandhausen vielmehr Blendwerk für die hoffenden Fans des magischen FCs ist. Auch wenn der Blick auf die Tabelle große Freudensprünge verbietet, stimmt mich das Spiel in Bochum positiver, als ich es monatelang tun konnte. Oder um es mal ganz gewagt zu betrachten:

Damit ginge dann auch mein Tipp vor der Saison auf. Und der war damals schon unrealistisch.

Weiter Spiele in Bild und Wort:

Kleiner Tod: #FCSP voller Leben – darauf kann aufgebaut werden! 3-3 in Bochum

Rilrec: VfL Bochum vs. FC St. Pauli

Metalust: Das Für-Sich-Seiende  ist nicht, was es ist, und ist, was es (noch) nicht ist!

Bericht des Übersteigers

Bilder von USP

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