Oh wie ist das schön…

…. oder: Willst du am Millerntor jubeln, musst du das mit den Auswärtsfans tun – was dann auch einige St.-Pauli-Fans taten. 0:3 gegen Heidenheim. Uff. Nicht alles war schlecht, aber am Ende doch viel zu viel. Die Chancenverwertung, die Konteranfälligkeit und die Stimmung an vielen Ecken. Scharf geschossen wurde leider nur verbal.

Bevor ich nun aber gleich „Lebewohl“ sage und St. Pauli in Liga Drei schreibe, möchte ich mich aber noch mal von unseren Flutlichtmasten verabschieden, die nach dem Heidenheim-Spiel abgerissen werden. Was die alles erlebt haben. Angesichts des Spiels werden sich die alten Metallstelzen wohl bereitwillig wegtragen lassen.

 Wenig Sport…

0:3: klingt klar. Hatten wir in diesem Spiel überhaupt eine Chance? Ja und nein zugleich.

Ja, weil das Team vor allem in der ersten Hälfte auch nach den Gegentoren nicht aufgegeben hat und zu wirklich guten Chancen gekommen ist. Zwei Tore in den vergangenenen fünf Spielen sind dann aber eben nicht nur eine Ansammlung von Pech.

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Das nackte Elend

Und nein, weil wir (Achtung: Klassiker!) heute noch stundenlang hätten weiterspielen können ohne ein Tor zu erzielen. Die wirklich effektiven Heidenheimer hätten mit unseren Chancen mindestens acht Treffer markiert. Und, weil wir uns bei Kontern wie bereits in Düsseldorf und Nürnberg einfach zu ungeschickt anstellten. Keine Ahnung, ob es etwas bringt, wenn man das Spiel einfach mal komplett dem Gegner (und damit dem Favoriten) selbst überlässt anstatt andauernd ins offene Messer zu laufen. 13 Gegentore in fünf Spielen sind eben nicht nur eine Ansammlung von Pech.

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So einfach und doch so schwer

Die Gäste aus Württemberg feuerten nun wirklich kein Offensivfeuerwerk ab. Einfach auf Fehler warten und Konter sauber zu Ende spielen – das reicht am Ende gegen die Braun-Weißen.

…wenig Support.

Ratlosigkeit machte sich spätestens nach dem 0:3 auch auf den Rängen breit. Wahrscheinlich gibt es keinen richtigen Weg, um mit solchen Situationen umzugehen. Unzufriedenheit haben wohl so gut wie alle Heimfans in irgendeiner Form verspürt. Die einen forderten lautstark Heilsbringer(?) Deniz Naki zurück (Dessen Verpflichtung ich damit keinesfalls für völligen Quatsch erklären möchte). Die anderen feierten kurzerhand mit dem Gästeblock – immerhin mal Freude beim Fußball oder so.

In der Südkurve fiel den Vorsängern in der letzten halbe Stunde wohl nichts Sinnvolles mehr ein, um die Menge nochmal zu (re)animieren. Die hatte auch zuvor nicht gerade das Tribünendach angehoben, war aber angesichts des Spielstandes und -verlaufs wie weite Teile des 3/4-Millerntors einfach zu nichts mehr in der Lage.  Kollektiver Nicht-Support halte ich für eine durchaus nachvollziehbare Reaktion auf all das. Dass es in dieser Saison nach Aue nun auch das erste Heimspiel seit (ja, seit wann eigentlich?) erwischt hat, ist überhaupt kein gutes Zeichen.

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Die Haupt konnte feiern. Allerdings nur der Gästeteil rechts

Mal wieder hielten es aber auch nicht allzu wenig Zuschauer für angemessen, Rückpässe, misslungene Zuspiele oder das Spielende mit Pfiffen zu begleiten. Da durfte wirklich jeder mal herhalten: Tschauner, Spieler XY, Azzouzi. Nochmal: Unmut ist mehr als verständlich. Doch wem soll das Gepfeife was bringen außer dem eigenen hochroten Kopf? Schweigen ist, ob nun mangels Vorsängern oder einfach aus dem Gefühl heraus, da doch die viel bessere Option. Selbst das vielfach geächtete Verlassen des Stadions finde ich immer noch besser als Pfeifen. Und: bleibt doch das nächste Mal gleich ganz weg. Lieber 18.000 im Stadion, als so einen destruktiven Kack. Wem soll der nützen? Dem Team? (Die zu solchem Verhalten passenden gehässigen Kommentare im Netz dürft ihr euch selber raussuchen. Aber lasst es besser. Es wird eurer ohnehin miesen Laune nicht zuträglich sein.)

Mit zwei Zitaten fässt kein Geringerer als Fabian Boll diesen Unterschied zwischen zwei Welten zusammen.

Immer weiter, aber wie?

Neue Saison, einige neue Spieler, Trainerwechsel. Es hat bisher wenig gebracht. Ich bin tatsächlich etwas ratlos und weiß nicht, wo und wie etwas zu ändern wäre. Spieler gibt’s erst im Winter neue. Ob die positive Impulse bringen, steht in den Sternen. Unangenehm, dass es mir so geht. Wirklich schlimm wäre es, wenn, wie ich so langsam vermute, diese Ratlosigkeit auch bei Spielern, Trainerstab und sportlicher Leitung eingekehrt ist.

Schon rein tabellarisch ist klar, dass es nur gegen den Abstieg gehen kann. Die drei Aufsteiger auf Platz zwei, fünf und acht sind aber leider ein deutlicher Hinweis darauf, wie schwer wir es derzeit selbst eine Liga tiefer hätten.

Als großer Verächter von Länderspielpausen bin ich diesmal nicht ganz so angefressen, dass es erst in zwei Wochen zum Spiel in Leipzig geht. Angesichts der momentanen Situation wird das kommende Wochenende samt JHV interessant genug.

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11 Gedanken zu “Oh wie ist das schön…

  1. Ja, da kann ich mich anschließen, speziell, was die erste Halbzeit angeht. Erschreckend zu sehen, dass wir einerseits gute Chancen heraus spielen, aber dann Gegentore um Gegentore fangen. Speziell die erste Halbzeit fand ich so schlecht nämlich nicht, und ich wage mal die steile These, dass das Spiel genau anders herum ausgegangen wäre, wenn wir nicht so tief unten, sondern weiter oben stehen würden. Die Chancen waren da, rein ging aber keiner… Den Spielern klebt ganz offenkundig gehörig die Scheiße am Fuß.

    • Ja, auch das ist ein Klassiker. Stehst du unten, fehlt das Glück. Aber auch hier gilt: Wir sind nicht zufällig im Tabellenkeller, sind da nicht unverschuldet hinein geraten. Und: auch wenn wir in vielen Situationen Pech hatten, sind erzwungene Chancen wie der Lattenschuss von Schachten viel zu selten. Das ist für unseren derzeitigen Platz dann mitunter die falsche Einstellung, fast alles bis zum Fünfer kunstvoll lösen zu wollen.

      • Nein, gerade bei dem Spiel sehe ich das wirklich anders – die haben sich endlich mal wieder richtig Chancen erkämpft, sind auch mal den Bällen hinterhergesprintet, die dann letztlich doch im Aus landeten – oder haben vor allem auch mal aufs Tor geschossen, auch wenn er dann auf den Sitzplätzen der Süd landete. Da sah ich beim Heidenheimspiel wirklich eine Verbesserung zu den vorhergehenden Spielen, bei denen sie bis zum Strafraum erfolgreich spielten – beim Heidenheimspiel musste der Torwart einige Male wirklich gut eingreifen, um ein Tor zu verhindern, weil sie eben auch mal aufs Tor schossen und nicht nur an der Strafraumgrenze herumdribbelten.

      • Ja, aber auch vor dem Tor kann man noch falsche Entscheidungen treffen und dabei Chancen versieben oder nicht das Beste aus ihnen machen. Ist also weder ein reines „Wir erarbeiten uns zu wenig Chancen“- noch ein reines „Wir machen unsere 100-Prozentigen nicht rein“-Problem – sondern mal diese und mal jenes mehr.

        Über die zweite Halbzeit reden wir besser einfach nicht. ;)

  2. Ich würde ja nie Pfeiffen. (Kann ich auch gar nicht) :) aber das „Oh, wie ist das schön“ war fast noch schlimmer. Ich finde es auch nicht mal schlimm, wenn wir verlieren, aber wenn es fast kampflos ist, versteh ich auch die Welt nicht mehr. Ratsche hat sich mal wieder reingehauen, aber das wars auch schon.
    Ich könnte mich übrigens sogar mit der dritten anfreunden, wenn da diese unappetitlichen Leute aus Rostock nicht wären.

    • Sehe ich ähnlich. Offensichtlich sucht und findet fast jeder seinen ganz eigenen Ausweg aus der Misere. Weder ironische (oder sind es zynische?) Freudengesänge noch Pfeifen sind dabei mein Mittel der Wahl.
      Zum Thema Einsatz: Der war naach dem 0:1 und dem 0:2 da. Nach dem 0:3 hatte ich aber trotz noch verbleibender 30 Minuten das Gefühl, daß (fast) alle – auf den Tribünen wie auf dem Rasen – nicht mehr eine Wende glaubten. Die Körpersprache ist dann natürlich wenig schön, aber für mich doch auch verständlich.

  3. Ja, es war auch einen Menge Pech dabei… Zu der Stimmung und vor allem zu den Pfiffen im Stadion heute, ging es mir genau so. Was soll das? Bringt nichts und hat meines Erachtens am Millerntor echt nichts zu suchen.

    • Jap. Macht mich (obwohl es nicht das erste Mal war) immer ein Stück weit fassunglos. Wie kann ich jemandem, der mir persönlich nichts getan hat und dem man wie im Falle Azzouzis lediglich sportliche Fehlentscheidungen vorhalten kann, nur einen solchen Hass entgegenbringen. Zudem, ich schrieb es im Artikel, finde ich Pfeifen schlichtweg destruktiv.

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