Mut und Unmut

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Schau mer mal

Wenn Niederlagen Spaß machen würden, diese hätte es getan. Chancen, Kombinationen und viel Einsatz. Die ersehnte Freude am Spiel der Braun-Weißen ist zurück – trotz Niederlage. Doch immer langsam mit der Euphorie. Mitreißende Spiele, sogar Punkte – das hatten wir vor nicht einmal einem Jahr bereits in ähnlicher Form. Trainer damals: Roland Vrabec. Anhaltende Entwicklung: keine.

Die ersten Worte lassen es bereits erahnen. Die 1:2-Pleite gegen 1860 lässt sich so leicht nicht einordnen. Die gefühlte Bremse scheint nach der Entlassung von Vrabec gelöst. Ob das dauerhaft Punkte und eine spielerische Weiterentwicklung bringen wird, ist nach dieser Partie nicht vorherzusagen. Das lag auch daran, dass zahlreiche Spieler (Schachten, Gonther, Kalla, Halstenberg, Alushi, Nehrig, Sobiech, Buchtmann) nicht oder nicht richtig einsatzfähig waren. Die Zehn plus Tschauner zeigten aber das, was viele Fans seit Monaten vermisst haben. Spaß am Fußball, flüssige und konzentrierte Spielweise und herausgespielte Chancen.

Mut und Unmut

Ja: Nicht alles lief rund, nicht alles klappte und nicht alle Spieler boten sich direkt für die Champions League an. Die Leistung einzelner (Görlitz, Kringe, Daube, Thorandt usw.) und das Zusammenspiel aller war dennoch besser als in den vergangenen fast 20 Spielen. Bei so manchem Akteur war eine solche Qualität nicht mehr für möglich gehalten worden. Mit einem 1:2 in die Pause zu gehen, das blieb der wenig lustige Witz der ersten Hälfte. Dem Humor abträglich waren zwei Tore für St. Pauli, die Schiedsrichter Robert Kampka nicht anerkannte. Stand Kringe bei der ersten Situation noch im Abseits, war bei seinem Treffer kurz darauf nur mit viel Phantasie ein Offensivfoul zu erkennen. Umso ärgerlicher war außerdem, dass dem Elfmetertor der Sechziger eine deutliche Abseitsstellung vorausgegangen war. Das sind dann auch schon in Durchgang eins in der Summe zu viele Fehlentscheidungen.

In der zweiten Hälfte verlor der Unparteiische dann völlig seine Linie. Erkannte Handspiele nicht, entschied völlig merkwürdig auf Abstoß, Freistoß oder Weiterlaufen. Schlecht ist das, wenn es auf beiden Seiten zu Fehlentscheidungen kommt. Gleicht sich vielleicht im Laufe des Spiels aus, sorgt aber für Unzufriedenheit bei den Spielern, die sich nicht auf eine Linie des Unparteiischen  einstellen können. Bei dieser Partie überwogen die fragwürdigen (Nicht)Pfiffe dann leider auch noch zugunsten der Braun-Weißen. Zur Erzählung des Spiel nach dem Seitenwechsel gehört aber auch, dass sich die Heimelf trotz nach wie vor drückender Überlegenheit deutlich weniger Chancen herausspielen konnte. Nach diesem Auftritt sinken die Chancen auf Zählbares aber keinesfalls. Einwände, dass Punkte hermüssen, um einem Abwärtsstrudel entgegenzuwirken, sei entgegnet: In dem befinden wir uns seit Monaten. Das Sechzig-Spiel ist deshalb bereits eine sichtbare Verbesserung, die am Freitag in Aue dann hoffentlich auch Punkte bringen wird.

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Der 12. „Mann“

Der sprichwörtliche 12. Mann sollte auf beiden Seiten Einfluss nehmen. Zum einen ist damit das keinesfalls allein „männliche“ Heimpublikum gemeint. Ich empfand die Lautstärke im Rund über weite Teile des Spiels nicht mal als besonders laut. Es lag vielmehr ein Kribbeln in der Luft, eine Anspannung, die die stete Hoffnung auf einen Torjubel in sich trug. Wann immer ich an meinen Nägeln kaute, sang ich eben auch ein wenig leiser. In der Schlussphase drückten die Tribünen dann aber nochmal richtig Dezibel auf den Rasen. Selbst die sonst eher zurückhaltenden Sitzbereiche der Süd ließen sich vom Rest zum Mitmachen animieren.

Und dann war da noch Referee Kampka samt Schiedsrichtergespann. Die mehr oder minder kniffligen Szenen sind bereits genannt worden (s.o). Er hatte im Stadion bereits erheblichen Groll auf sich gezogen. Wie sich anhand der TV-Bilder zeigen sollte, leider größtenteils zu Recht. Die Frage, wieviel Sinn es macht sich in der 90. so aufzuregen wie Meggle, ist vielleicht berechtigt. Vielleicht ist das weder clever noch hilfreich. Nur werden solche klugen Anmerkungen den emotionalen Momenten überhaupt nicht gerecht. Und wie abgefahren hätte wohl ein Trainer Meggle gewirkt, der trotz der haarigen Entscheidungen des Schiedsrichters völlig ruhig auf der Bank sitzt. Eben nicht authentisch. Bitte… In der PK war Meggle dann auch längst wieder im gefassten Analysemodus angekommen – ohne seine Meinung zu Robert Kampka zu ändern.

Desweiteren

Neben den sportlichen Geschehnissen bewegten zwei Ereignisse viele St. Paulianer. Zum einen hatte sich ein Fan das Leben genommen. Ihm wurde u.a. in der Süd mit einer Choreo gedacht. Im Fanladen findet ihr Spendendosen für die Familie, zudem ist eine Initiative geplant, die depressiven Menschen im FCSP-Umfeld Hilfe anbieten soll.

Zum anderen erntete die 5. des SC Sternschanze vergangene Woche viel Beifall. Sie verweigerte das Punktspiel gegen den SC Osterbek 3., weil dort Nazis unbehelligt mitkicken durften. Die betreffenden Spieler sind bereits aus dem Verein geworfen worden. Abzuwarten bleibt, wie der Hamburger Fußballverband mit der Partie umgeht. Die (Re)Aktion des SCS 5. war unabhängig davon völlig richtig.

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3 Gedanken zu “Mut und Unmut

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