Jedem Ende wohnt ein Grauen inne

Aufstieg verpasst, vier maue Punkte aus drei Spielen, ausbaufähige Leistungen. Da kommt so ein Befreiungsgschlag gerade recht. Also für Fürth. Leider. St. Pauli zeigt hingegen wie zu befürchten kein besseres Spiel als zuvor – mit Konsequenzen.

20140901_173955Das war am frühen Montagmorgen zumindest für gnadenlose Optimisten noch nicht abzusehen. Mit etwas Verspätung ging es kurz nach 9 Uhr mit dem ersten von einem Fanladenbus auf die 601 km Asphalt. Die Stimmung im Bus war der Uhrzeit und den vergangenen Spielen entsprechend euphorisch. Busquiz, Tippspiel, Musik und viel Gelaber. Beim Stop in Kirchheim wurde die Tüte mit feinsten regionalen Biersorten gefüllt. Am Bus knipste ich folgendes Bild eher wahllos. Zwei Anmerkungen dazu: Magic Spiel (mi.) war nicht gerade ein Omen für das Spiel (kommen wir noch zu bzw. kennt ihr ja bereits). Das Sky-Schild (li.) erinnert mich daran, die sendenden Fernsehsender zu grüßen. Wie ihr gehen andere Menschen montags ihrem Broterwerb nach. Nur das der nicht im Stadion stattfindet. Koitiert euch! Der von der Mafia angeregte Protest wäre übrigens selten so leicht zu verschmerzen gewesen wie in Fürth (siehe ‚Spiel‘).

20140901_154543Einen klitzekleinen Stau und ein paar hundert Kilometer später erreichten wir das beschauliche Fürth. Das Stadionumfeld ist nicht gerade reich an Attraktionen, ist dank Pizzeria und Wohngebiet aber an Gemütlichkeit kaum zu überbieten. Fürth-Fans schlenderten wie zufällige Passanten an uns vorbei und die Pozilei stand in etwa so unbeweglich und harmlos herum wie kurz darauf unser Team (beide können auch anders, glaubt’s mir!).

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Mein Verein…*

Damit wäre der unvermeidliche Übergang auf die ebenso unvermeidbare Leistung während der 90 Minuten gelungen. Allerdings fällt es leichter denn je den sportlichen Bericht hinauszuzögern. Macht nicht so viel Spaß. Den hatten viele Braun-Weiße neben dem Feld immerhin gut 20 Minuten. Der ziemlich ordentlich gefüllte Gästeblock war gut drauf, zog trotz ohrenscheinlich geringer Hamburger Quote über weite Strecken schön mit.

An dieser Stelle verweisen wir auch mal auf den gegenüberliegenden Block, der vor Spielbeginn eine begrüßenswerte Tapete hochhielt. Wie ihr auf dem Photo nicht erkennen könnt, werden darauf Flüchtlinge willkommen geheißen. Weitere Infos zum dazugehörigen Projekt findet ihr hier.

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….die Mannschaft auf dem Rasen.*

Dann passierte das, was sich leider schon in den ersten Minuten zumindest angedeutet hatte. Leichte Ballverluste, keine Zuordnung gegen den Ball sowie im Sechzehner, und schon klingelt es zwei Mal innerhalb von drei Minuten. Geweckt hat das die Sankt Paulianer mitnichten. Die Chancen der (Noch-)Vrabec-Elf konnte man an Händen abzählen, die wahlweise zwei Biere fest- oder die Augen zuhielten. Nach der Pause loderte auf dem Vorsängerpodest und beim Gästeanhang ein letztes Mal Trotzenergie auf. Mit dem Sahnefreistoß von Trinks war aber auch die nicht mehr vorhanden.

Inverses Rathenow

Wie die Kicker beschäftigten wir uns in Schlusshalbenstunde lieber mit Schönerem. Die: Leichtes Joggen am spätsommerlichen Abend im Grünen. Wir: Einfach eine Runde gemeinsam singen und ein wenig den Leistungen unseres Stadtnachbarn Respekt zollen: Einfluss auf das Spiel hätte ohnehin nichts gehabt. Das war entschieden und wir so chancenlos wie Rathenow gegen uns. 3:0, 0:3, im Block machte das keinen Unterschied. Wird gegen Sechzig anders. Versprochen.

Apropos Stimmung: Einen fetten Respekt verdiente sich die junge braun-weiße Dame (r.u.) im angrenzenden Sitzblock. Die hatte bereits vor Anpfiff ihre Augen nur auf den Gästeanhang gerichtet. Bis auf einen Hänger nach dem Seitenwechsel (das muss besser werden!) supportete sie das ganze Spiel hindurch mit. Dafür gab’s dann in den Schlussminuten noch einen exklusiven Wechselgesang und nach Anpfiff einige Schalgeschenke.20140901_220809

Haariger Neubeginn oder alles in Butter?

Auf der Rückfahrt waren die Diskussionen so vorsehbar wie verständlich. War’s das für Vrabec? Würde der Verein jetzt handeln? Über die unbequeme Richtigkeit eines Trainerwechsels bestanden im ebenso unbequemen Reisegefährt kaum Zweifel.

Nachdem sich am Dienstag (wie es so schön heißt) die Gerüchte verdichteten, dass Vrabec entlassen werden würde, passiert erstmal: nix. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und so vermeldete der Verein dann am Mittwoch die längst erwartete Nachricht.

Und schob kurz darauf auch nach, wer Nachfolger werden wird.

Vor allem die Beurlaubung von Vrabec ist trotz gerade einmal vier gespielter Partien weder überraschend noch überhastet. Wie sich viele von euch erinnern (oder aber erfolgreich verdrängen konnten), war bereits die Rückserie der vergangenen Saison nicht nur spielerisch enttäuschend. Auch der wenig elegante Umgang des Trainers mit Fabian Boll und seine zuweilen merkwürdigen Interviews haben nicht dazu beigetragen, dass mich Vrabec nach den Spielen als Interimstrainer großartig für sich gewinnen konnte. Als Gegner der ‚üblichen Marktmechanismen‘ halte ich die Entlassung dennoch für richtig. Nichtsdestotrotz soll Vrabec, der nicht zur Aufgabe zu passen und oftmals überfordert schien, in seiner kommenden Laufbahn sein Glück finden. Bei St. Pauli war dies einfach nicht möglich. Dass er als eigentlich vorgesehener U23-Coach erst den Co- und dann den Chef-Trainerjob angenommen hat, kann ihm ebenso wenig vorgeworfen werden, wie, dass er engagiert und gewillt war.

Beides wird sicherlich auch der im Grunde gar nicht so Neue auf der Trainerbank sein. Thomas Meggle ist nicht nur als ehemaliger Spieler und U23-Trainer fester Teil des Vereins. Er betreute den FCSP in der Saison 2012/13 zudem bereits zwei Mal als Interimstrainer, bevor Michael Frontzeck das Ruder übernahm. Die Bilanz von Meggi ist noch ausbaufähig. Nach seinem wenig glanzvollen Auftakt beim 0:3 gegen Regensburg erkämpfte das von ihm gecoachte Team immerhin ein 2:2 gegen Union.

Ob und wie sehr er dem Team jetzt helfen kann, warten wir einfach mal bis zum Spiel gegen die Löwen ab. Nicht nur im eigenen Interesse wünsche ich ihm viel Erfolg. Ich vage die Behauptung, dass er das Millerntor am 14. September hinter sich haben wird. So zumindest habe ich die Stimmung am heutigen Tag wahrgenommen. Erleichterung und Skepsis gepaart mit dezenter Hoffnung.

*Wer es verkraftet, hier der Song zum Text. Möchte ich nie wieder hören!

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Bilder von USP

Kleiner Tod: FSCP in Fürth

HH ist braun-weiß: Ein Hühnerhaufen auf dem Weg zur Hölle

Province Fanatics: Das hier ist Fußball, das hier sind Dramen

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2 Gedanken zu “Jedem Ende wohnt ein Grauen inne

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