Ohne Wenn und Aber, aber…

© Carpe Diem Sandhausen

Mit diesen treffenden Worten richtete Philipp „Hulk“ Tschauner den Blick nach dem 2:1-Sieg gegen Sandhausen auf die kommenden Aufgaben. Drei Punkte, ordentlicher Wille, aber nach wie vor wenig Überzeugendes im Spiel nach vorne. Die Skepsis ist bei vielen durch den ersten Saisonsieg keinesfalls pulverisiert.

Ungeachtet des souveränen Pokalerfolgs standen St. Pauli und insbesondere Coach Vrabec unter Punktzwang. Ob es für den Trainer wirklich ein „Siegen-oder-fliegen-Spiel“ war, wird frühestens in der Autobiographie von Rachid Azzouzi zu erfahren sein. Die Aufstellung enthielt keine Überraschung und auch nur wenig Anlass zur Kritik. Der wiedergenesene Sobiech ersetzte Philipp Ziereis. Eine logische, und wie sich später zeigen sollte, sehr wichtige Entscheidung.

Zum Anpfiff baute sich in der Süd erst einmal eine dicke Choreo inklusive Rauch auf. Innerhalb derer war nicht ganz so viel zu erkennen. Bemerkenswert finde ich, daß mit Vorliebe zu Hause und themenbezogen gequalmt wird. Kommt irgendwie besser als auswärts bei Rückstand Pyrorestposten abzufackeln, wie es anderswo öfter zu sehen ist.

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Die Choreo von drinnen

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Die Choreo in ganzer Pracht © Carpe Diem Sandhausen

Um mich herum herrschte vorsichtige und eher unbegründete Zuversicht. Der liebe A. ließ sich gar zu einem „5:0“ hinreißen. Zu Spielbeginn stimmten dann auch  Spielweise und Ergebnis positiv. Der obligatorische Anfangsschwung brachte durch das Tor von Nöthe endlich mal was Zählbares. Dass der toll vorbereitende Budimir beim Zuspiel von Kalla mit dem Wadenmuskel im Abseits stand, hüllen wir in den Mantel des Jubelns.

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Jubel und Hoffnung: Schachten und Nöthe nach dem frühen 1:0 © Carpe Diem Sandhausen

Nach gut 20 Minuten war es aber vorbei mit der Herrlichkeit. Je näher die Anzeige der 45 kam, desto schlechter wurde unser Spiel. Sandhausen kam in dieser Phase zu besten Chancen. Dem reingemurmelten 1:1 durch Gartler war da noch eine Riesenmöglichkeit durch Bieler vorausgegangen, die Tschauner mit einem Reflex über das Tor lenkte. Für mich die beste Parade seit langem und unfreiwilliger Anlass dazu, wie ein angestochenes Wildschwein zu quieken. Wahnsinn!

Diesem emotionalen Zwischenhöhepunkt folgte leider sehr viel gewohnte Tristesse. Ein Gefühl, das offenbar auch andere Zuschauer teilten.

Lange Zeit schien das Spiel auf ein Unentschieden hinauszulaufen. Die Erwartungen schraubten sich selbst von ganz allein nach unten. Mittlerweile war nicht nur für A. ein 2:1 akzeptabel.

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Ein Spiel bekanntlich meisten mehr als 90 Minuten © Carpe Diem Sandhausen

Außer dem am Ende doch glücklich Lastsecondtor von Sobiech stachen aber auch noch andere Dinge zum Guten hervor. Mehr denn je hatte ich das Gefühl, dass das Team wirklich unbedingt wollte. Viele enge und harte Zweikämpfe entschieden Kalla, Rzatkowski, Buchtmann oder Daube gerade in der letzten halben Stunde für sich. Auf den Rängen ging die Stimmung dadurch in dieser Phase deutlich nach oben. An Leidenschaft mangelt es bei den 11+Zigtausend jedenfalls nicht. Mit unnachahmlicher Hingabe (aber diesmal wenig glücklich) ging wie immer auch Schachten zu Werke. Vor der entscheidenden Ecke peitschte er die Menge mit seiner ungespielt inbrünstigen Art an.

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Das Fazit aus Gästesicht, performt von Stiefler © Carpe Diem Sandhausen

Und jetzt kommt das dicke Aber, dass sich bei vielen spätestens nach Spielende meldete. Leidenschaft schön und gut, aber die spielerische Entwicklung fehlt nach wie vor. Die Zuversicht darin, dass sich genau das unter Vrabec noch bessern wird, wird mancherorten mehr oder weniger vorsichtig in Zweifel gezogen. Nur ganz Gehässige wünsch(t)en sich eine Niederlage, damit der Trainerwechsel vorgenommen werden kann. Abgesehen von solche Auswüchsen ist auch mir ein (spielerisch) gutes Auftreten wichtig.

Letztlich entlässt uns diese Spiel in eine unangenehme Zweideutigkeit. Gewonnen und bis zur letzten Sekunde viel probiert zu haben machte das Heimspiel endlich mal wieder zur Freude. Die Spielweise wird die Vorbehalte gegenüber Vrabec aber nicht ausräumen können. So wird jedes weitere Spiel für den Trainer irgendwie zur Bewährungsprobe.

Nach Abpfiff lohnte sich der Gang zum Fanladen gleich doppelt. Neben dem ultraleckeren Chili konnte ich mir dieses hübsche Textil kaufen.

A propos kaufen: Während ich mir vor dem Spiel noch Basch und Kiezkieker zugelegt hatte, verpasste ich die Übersteiger-Verkäufer. Hätte mir das Schmierblatt doch bloß schon vor Anpfiff vorgelegen.

Update 25.08.2014: Dank Carpe Diem Sandhausen wurde der Beitrag mit einigen Bilder angereichert!

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6 Gedanken zu “Ohne Wenn und Aber, aber…

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