Drin: Ball. Draußen: Boll.

Testspiele am Millerntor sind ja seit Jahren wenig reizvoll. Lauer Kick, wenig Erkenntniswert und Stimmung so lala. Zumindest die war gegen Testgegner Aalen teilweise besser als der Freundschaftsspieldurchschnitt. Wird Zeit, dass die Sommerpause vorbei ist anfängt. Reichlich genervt: Die Fans, der Trainer, der 18-Mann-Kader und die #17.

Das hat mit Fuß…

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„Schönes Spiel, scheiß Wetter“ © Kleiner Tod

Das Sportliche ist an diesem Nachmittag schnell erzählt. Aalen konnte, wollte und sollte an diesem Nachmittag den Klassenerhalt perfekt machen, wir waren schon in Cottbus dem Saisonende entgegengetrudelt. Rechnerisch wäre vor dem Spieltag auch noch der Aufstieg drin gewesen, der Glaube daran war auf dem Feld allerdings sichtlich nicht mehr vorhanden. Ein Gegentor in der 3. Minute, ein Strafstoß, den der Referee nicht zwingend pfeifen muss, und ein sauber platzierter Schuss bedeuteten eine klare 0:3-Niederlage. Unsere Chancen waren in Anzahl und Qualität überschaubar. Ein Fernschuss von Schachten, einer kraftloser Versuch von Rzatkowski und ein harmloser Kopfball von Gregoritsch – das dürfte es ungefähr gewesen sein. Immerhin war dem Team nach der Pause anzumerken, dass es sich ins Spiel zurückkämpfen wollte. Der Wille war da.

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Das zieht einem ja die Schuhe aus: Südkurve beim Stande von 0:3

Spätestens mit dem Elfmeter war jedoch auch dieser mehr oder weniger hinfällig. Mitte der zweiten Halbzeit begab sich dann auch die Südkurve, wie die Akteure auf dem Feld, in die Sommerpause. Schuheausziehen und der andere Gagakram hatten an diesem Nachmittag genauso viel Wirkung auf das Spielgeschehen wie der Support zuvor. Beim „You’ll never walk alone“ nach Abpfiff konnte ich nach dieser Partie dann aber emotional doch nicht mitgehen.

…das hat mit Boll…

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Die soziale Seite hätte Boll wohl aufgestellt

Und dann schwirrte ja noch dieses andere Thema wie ein Geist durchs Stadion. Wie passend, dass der entsprechende Spieler gar nicht mit von der Partie (aber im Millerntor) war. Bereits vor dem Einlauf waren zahlreiche Banner zu sehen, von denen eines die Frage der Stunde auf den Punkt brachte: „Wo ist Boller?“. Trainer Roland Vrabec hatte die #17 auf seiner Abschiedstournee beim vorletzten Heimspiel nicht in den Kader berufen. Die Mannschaftsaufstellung wurde dann auch zu einem Ruf nach dem Kapitän: Christopher „Boll“, John „Boll“ undsoweiter. Ob diese Pleite gemäß der Rufe nach Abpfiff „mit Boll nicht passiert wäre“, darf eine jede mit sich selbst ausmachen. Wenig überraschend wurde der Trainer in der anschließenden Pressekonferenz zum Thema befragt. Der zeigte sich ungehalten und genervt, nannte die Forderung nach der Berücksichtigung von Boller gar „schwachsinnig“. Ihm scheint es respektlos, dass über einen monatelang verletzten Spieler statt der fitten und eingesetzten gesprochen wird. Blendet man alle Emotionen aus, kann man sich dieser Sichtweise sogar anschließen. Rein sportlich drängte sich Boll vor dem Spiel nicht unbedingt auf. Nach einer derart schwachen Leistung und angesichts der wenigen verbleibenden Spiele für Boll ist des Trainers Sichtweise (vor allem in diesem harschen Ton) jedoch fragwürdig. Der implizite Vorwurf, dass sich die Anhänger mehr mit Boll als mit dem Rest des Teams beschäftigt hätten, schlägt angesichts von etwa 70 Minuten Anfeuerungsversuchen und mäßigem Gepfeife auch fehl. Die Kritik an Vrabec, die schon seit Wochen insbesondere durch das Forum wabert, wird dieser Auftritt auf dem Platz und vor der Kamera nicht eindämmen. Dass sich mancher Zeitgenosse so oder auf folgende Weise erleichtert, kann man daher auch kacke finden.

…das hat mit Fußbɒll nichts zu tun!

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Richtig so: Im Grünen mit Freunden die Sonne genießen statt sich über Fußball zu ärgern

Gute Laune verbreiteten nach dem Spiel dann wenigstens die laut lachende Sonne (ha,ha,ha) als auch der Augsburger Sieg (ha,ha,hsv). Und wenn ich aufwach‘, fällt’s mir wieder ein, spielst ganz woanders…

Nachtrag Montagabend: Am Vormittag trafen sich Boll, Vrabec und Azzouzi zu einem klärenden Gespräch. Das scheint zunächst einmal ordentliches Krisenmanagement zu sein, auch wenn sich Bolls Aussage („Bei mir bleibt nichts zurück, bei Rachid und Roland auch nicht“) langfristig erst noch bewahrheiten wird müssen.

Nachtrag #2: Auch Vrabec äußert sich nun zur Sache. Dabei, nun ja, entschuldigt? er sich für Tonlage und fehlende Empathie, hält aber aus sportlicher Sicht an der Entscheidung fest.

Das haben die anderen gesehen:

Der Übersteiger zu Spiel und Trainer
Stefan Groenveld wie immer mit schönen Bildern und Boll persönlich
Der Kleine Tod mit der selbst gestellten Trainerfrage
StPauli.nu fühlt sich an die Regionalliga erinnert
USP hat wie immer Photos gemacht
MagischerFC fände es mit Boller toller
BeebleBlox macht den Spielausgang am Fehlen der #17 fest

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2 Gedanken zu “Drin: Ball. Draußen: Boll.

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