In Cottbus sagt man ‚Tschüssi‘

Ein Punkt in Cottbus! Wir waren dabei. Davon werden wir noch unseren Enkeln erzählen (Vielleicht. Auch nicht.). Dafür aber Euch!

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Ein Ausflug für die ganze Familie. Autobahnidylle

Graue Theorie: 832 Kilometer Asphalt, 10:00 Uhr Abfahrt, drei Auswärtspunkte – letztlich stimmte nur die zurückgelegte Strecke. Der Bus kam und fuhr dann mit einer halben Stunde Verspätung Richtung Autobahn (weiß jemand, wie ich bei diesem windigen Reiseunternehmen „Fan’sladen“ reklamieren kann?). Geschlagene sieben Stunden brauchten wir bis zum Zielort. Die CD-Auswahl war, nun ja, nur teilweise prickelnd. Rihanna schien auch nach dem 17. Umlauf so gar nicht diamantenhaft. Auf der letzten Raststätte sollte mit einem 3-€-Notkauf die Rettungsleine gezogen werden. Die CD mit Elvis-Covern schlug zwar nicht ein, sorgte aber zumindest für ein herrliches Ostgefühl an der Kasse: „CD? Gehört das zu ‚Presse‘?“ -“ Nu!“ Ach, Lausitz, ich komm‘ aus dir. Weniger geil waren die NPD-Plakate, die die Ortseinfahrt nach Cottbus säumten. Rasch ging es in den Gästeblock, der sich trotz anfänglicher Lücken im Stehbereich bis zum Anpfiff dann doch noch gut füllte.

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Gib mir mehr von diesem Stoff

Der erste Durchgang war sportlich wenig ereignisreich. Cottbus eröffnete die Festivalsaison mit ganzen neun Ecken in 45 Minuten. Diese führten die Lausitzer, wie alle anderen Angriffsbemühungen auch, so harmlos wie eben ein Absteiger aus. St. Pauli brauchte dagegen über 20 Minuten für die ersten beiden halben Chancen. Erst konnte Rzatkowski Energies Keeper Renno nicht überlupfen, dann scheiterte Thy aus spitzem Winkel. Dass Heerwagen kurzfristig für Himmelmann einsprang, fiel mir (wohl nicht allein) erst nach einer knappen halben Stunde auf.

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Absteiger unter sich

Grund für dieses Versäumnis dürften die etwa 20–30 Hansel auf der angrenzenden Tribüne gewesen sein, die deutlich unterhaltsamer als das Spiel waren. Nach einem ehrlich-freundlichen „Ihr seht scheiße aus“ aus dem Gästeblock fühlte sich der Minimob zu „Provokationen“ angehalten. Höhepunkt war der Löffel, der erst mit einer 1887-Fahne wedelte, um sie dann falsch herum aufzuhängen. Die Häme aus braun-weißer Richtung („Du bist zu blöd, du bist zu blöd!„) war ihm ebenso sicher wie die wutentbrannten Ansagen seiner Kameraden. Das anschließende Präsentieren von HSV- und Werder-Schal (warum zum Geier?) rundete den peinlichen Auftritt ab. Die spanischen Abschiedsgrüße des antifaschistischen Gästeblocks wurden von jenem dann nur noch mit einem „Absteiger“ kommentiert (was dann auch wieder zur eingangs gezeigten Fahne passen dürfte). Dass bei uns nach dem Hinspiel ernsthaft über das „Nazischweine“ Richtung Gästeblock diskutiert wurde, scheint angesichts dessen grotesk. Zur Pause wurde dem mit einem Plakat (NAZISCHWEINE) Nachdruck verliehen.

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Schön: Tief stehende Sonne. Wenig schön: Tief stehende St. Paulianer

Mit 0:0 ging es in die Halbzeit, die unserer Elf sichtlich half. Die hatte kurz nach Wiederbeginn gleich eine richtig gute Möglichkeit. Thy kam nach einem Maier-Freistoß nicht an Renno vorbei, im Nachschuss klärte Banovic die fette Chance von Ziereis auf der Linie. Nach einer Stunde klappte es dann aber doch mit der Führung für uns. Buchtmanns Heber in den Strafraum fand Thy, der den Ball durch die Beine von Energie-Keeper Renno über die Linie spitzelte. Im Anschluss gab es dann zahlreiche Chancen die Führung auszubauen. Verhoek bugsierte eine Schussflanke von Maier an die Latte, stand dabei aber auch im Abseits. Kurz drauf war es erneut Verhoek, der mit links zu lasch abschloss und so den Torwart nicht überwinden konnte.

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Stadion der Freundschaft? Gästefans (links), Polizei (am rechten Rand)

 Knapp 20 Minuten vor dem Ende warf Cottbus alles (was sie hatten, also nicht all zu viel) nach vorne. Den Fernschuss von Michel wehrte Heerwagen zur Seite ab. Kurz darauf war es erneut Michel, der im Strafraum gegen Maier dankbar zu Boden ging. Beim Strafstoß verzögerte Banovic bis zur Grenze der Regelwidrigkeit und verlud so Heerwagen – 1:1. Unsere eigentliche Nummer drei musste dann in der Nachspielzeit nochmal sein Können zeigen, als er den Abschluss von Buljat aus kurzer Distanz mit einem Beinreflex entschärfte. Das Beste an diesem doch enttäuschenden Ergebnis war, dass es Cottbus im Abstiegskampf so wunderbar wenig hilft und uns eine Reise dorthin zumindest für die kommende Saison ersparen dürfte.

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Zwei Flaschen

Nach Abpfiff wurde noch schnell der Grenzenlos-Lappen eingesammelt. Bei der Gelegenheit klatschte ich erstmals in meiner Stadionkarriere mit dem Team ab – nachgeholte Kindheit im fortgeschrittenen Alter. Vor allem der kurzfristig verletzte Himmelmann sah bitter enttäuscht aus. Dank der überschaubaren Aufenthaltsqualität auf der stadionnahen Umgehungsstraße und der bevorstehenden Kilometer fand sich die Besatzung recht schnell am Bus ein. Der wurde dann erst auf der Zufahrt zur A15, dann auf der Autobahn selbst bishin zum ersten Halt von erlebnisserviceorientierten Staatsdienern begleitet. So geht Käuferschutz heute! Die gute Rihanna, die auch auf der Rückfahrt unablässig ihre Melodei sang, wurde für etwa zwei Stunden durch das Machwerk Suburbia unterbrochen. Kurz nach drei erreichten wir dann endlich das Millerntor, wo wir uns (und Cottbus) ‚Tschüss‚ sagten.

Übersichtlicher Rundblick über weitere Beiträge:

USP hat fotografiert

Kleinertod hat geschrieben
Photos auf der Vereinshomepage
Der Millernton hat vor dem Spiel und nach dem Spiel was zu sagen

von: @mannimturm

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Ein Gedanke zu “In Cottbus sagt man ‚Tschüssi‘

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