Alles renkt sich wieder ein

Es gibt sie, diese Spieltage, an denen alles zu stimmen scheint: Heimspiel am Freitagabend, Flutlicht, eine fantastische Choreo, großartige Stimmung auf allen Rängen und eine Mannschaft, die siegen will – mehr denn je. Und doch gibt es sie, diese Tage, an denen man, nach einem verrückten Wechselbad der Gefühle, doch noch auf dem harten, kalten Boden der Tatsachen aufschlägt – und nach 97 Minuten mit leeren Händen auf der Tribüne steht.

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Was hier etwas melodramatisch klingen mag, konnten am Freitagabend knapp 30.000 Zuschauer live miterleben, als unsere Jungs gegen die roten Teufel aus Kaiserslautern, unserem direkten Verfolger, antreten mussten. Von Anfang an bekamen wir ein schnelles, ruppiges Spiel zu sehen – allerdings ohne vielversprechende Torchancen. Nur Halstenberg hatte in der 8. Minute eine relativ solide Chance per Freistoß einzunetzen, aber wir wissen ja, wie die St. Paulianer zu Standards stehen…

Jubeln durften wir dann überraschenderweise trotzdem schon wenige Minuten später, als Ratsche einen Steilpass Richtung Verhoek spielte, der das Leder mit zwei Zwischenstationen (Latte + Sippels Bein) ins Tor beförderte. Frühe Führung für Braun-Weiß in der 15. Minute und Freudenausbrüche auf allen Tribünen, die selbst die Grenzenlosen in arge Schwankungen versetzten.

Statt weiter vorzulegen, entwickelte sich das Spiel nun jedoch zu einem leicht unorganisierten Kuddelmuddel, aus dem die Gäste bedauerlicherweise als Gewinner hervorgehen sollten. Mit jeder Minute wurde die Elf aus Kaiserslautern dominanter, was wie zu erwarten  im Ausgleich in der 31. Minute durch Lakic (Freistoß) endete. Egal. 1:1. Weitermachen. In 60 Minuten kann noch viel passieren.

Passiert ist tatsächlich auch eine ganze Menge, vor allem in Halbzeit 2. Lautern behielt die Oberhand, während die Vrabec-Elf versuchte, sich zurück ins Spiel zu kämpfen. Trotz einiger guter Szenen blieb es jedoch beim 1:1 bis zur 61. Minute. Nach einem missglückten Schuss von Torrejon ergriff Karl die Gelegenheit und netzte per Kopf zum 1:2 ein. Das altbekannte Zittern kehrte zurück auf die Ränge des Millerntors.
Und als man schon dachte, es könnte nicht schlimmer werden, musste auch noch Keeper  Philipp Tschauner (gute Besserung) verletzt vom Platz – und das vor einer brandgefährlichen Ecke von siegeshungrigen Pfälzern. Ein schlechter Moment für Robin Himmelmanns Debüt im braun-weißen Kasten. Doch Himmelmann machte seine Sache gut – er ist schließlich nicht umsonst mehrfach zum Man of the match bei diversen Hallenturnieren in der Winterpause ausgezeichnet worden.Foto 1

Tja, und in der 89. Minute geschah dann das, womit schon lange niemand mehr gerechnet hatte: Der AUSGLEICH! Und das nach einem Standard. Wer hätte gedacht, dass wir das noch einmal miterleben dürfen, denn normalerweise funktionieren Standards nie und normalerweise bekommen wir kurz vor Schluss (zwischen 87. und 89. Minute) immer noch einen reingedrückt. Aber nicht heute: Maier schickte das Leder per Freistoß ins Zentrum, der Ball prallte am Pfosten ab und Kringe köpfte souverän zum 2:2 ein. Ein Wunder und tausende jubilierende Herzen im Millerntor-Stadion. Der Punkt schien so gut wie sicher, und besser ein Punkt, als kein Punkt.

Tja, aber wie so oft – man erinnere sich an die letzten Minuten im „schönen“ Ostwestfalen gegen Bielefeld, haben wir uns mal wieder zu früh gefreut. Der Schiri zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an.Fünf Minuten, die einfach nicht vergehen wollten. Fünf Minuten, in denen jeder von uns mindestens zwei Mal eine Herzattacke bekommen hat. fünf Minuten, in denen Lautern zwei Mal beinahe die späte Führung gelungen wäre. Fünf Minuten, aus denen plötzlich mehr oder weniger sieben wurden, was Jenssen reichte, um den Pfälzern doch noch zu einem Happy End und drei Punkten zu verhelfen. Und zahlreiche braun-weiße Herzen für eine Sekunde still stehen zu lassen.

An diesem Tag, an dem eigentlich alles perfekt war, an dem alles zu stimmen schien: Heimspiel am Freitagabend, Flutlicht, eine fantastische Choreo, großartige Stimmung auf allen Rängen und eine Mannschaft, die siegen wollte – mehr denn je.

Tja, und nun? Die Hoffnung auf die ersten drei Ränge dürfte nun auch beim letzten Optimisten verpufft sein. Paderborn steht nach dem Sieg gegen Ingolstadt mit sechs Zählern Vorsprung auf dem Relegationsplatz. Um diesen aufzuholen, bräuchten wir nicht nur ein Wunder, sondern einen ganzen Sack voll.

Das Schlusswort wollen wir heute der ZEIT geben, die es nicht treffender hätte ausdrücken können:

„Zugegeben, unser FC hat kein optimales Spiel abgeliefert. In der ersten Halbzeit stand er eine gefühlte Viertelstunde lang gar nicht auf dem Platz. Aber ansonsten: Wahnsinn! Die Freistöße von Halstenberg und Maier. Tormann Tschauners Paraden (die im Gegensatz zu seinem Fußballspiel und seinem Verhalten im Luftkampf Weltklasse sind). Rzatkowski, der seit drei Spielen endlich zeigt, wie viel Biss und filigrane Technik in ihm stecken. Und natürlich immer stets und ewig der ungemütliche Schachter, der torgefährlichste Verteidiger der nördlichen Hemisphäre, den man auch den größten Feinden nicht als Gegenspieler wünscht und dessen Fortbewegungsstil ein anatomisches Rätsel ist.

Das sind schon Elemente, die den Stadionbesuch lohnend machen – auch wenn man, wie am Freitag, auf die Fresse kriegt.“

(Hier gibt’s den ganzen Artikel)

Und wie sagt man so schön: Alles renkt sich wieder ein.

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Es berichten und knipsen außerdem:

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3 Gedanken zu “Alles renkt sich wieder ein

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