You turn me on!

Nix mit müder Nullnummer in Sandhausen. St. Pauli dreht das Spiel in einer fast turbulenten zweiten Halbzeit. Mittendrin: Gonther, Kalla, Ratsche und Schachten, der mal wieder eine besonders gute Figur macht.

Ja, boing und tschüß!

Vor der Partie war nicht gerade ein Offensivfeuerwerk zu erwarten gewesen. Das Hinspiel am Millerntor endete 0:0. Zudem hatten die Sandhäuser zwar die zweitbeste Defensive, aber auch die schlechteste Offensive der Liga. Die erste Halbzeit war dann auch das erwartete Geduldsspiel. Eine Sechzehntelchance durch Verhoek und ein Schuss von Sandhausens Thiede waren die einzig nennenswerten Bälle in Tornähe. Da sorgte selbst die Rauchshow im Gästeblock für mehr Aufsehen.

Die erste Chance nach dem Seitenwechsel erturnte, errackerte und erschnaubte sich Schachten. Mit einer fußballunspezifischen Bewegung sprang er nicht nur in eine gute Schussposition, sondern auch in die Notizbücher vieler Turntrainer. Abzüge in der B-Note: keine.

schachten_bock

So oder ähnlich dürfte es ausgesehen haben: Der junge Schachten (li.) erweitert seine Handlungsoptionen für die spätere Fußballkarriere. Schachten heute (re.) profitiert davon. Bundesarchiv, Bild 183-33533-0008 / CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Dass Sandhausen dann in der 50. Spielminute traf, war ebenso unerwartet wie unnötig. Der Ballverlust von Maier im Aufbauspiel schaffte für die Heimelf ein Überzahlspiel, das diese eiskalt ausnutzte. Der satte Schuss von Blum schlug unhaltbar im langen Eck ein. Doch wie bereits gegen Fürth ließen sich die Braun-Weißen von einem derart blöden Bock (dazu später mehr) nicht beeindrucken.

Gerade einmal fünf Minuten dauerte es, bis Maier auf der anderen Seite wesentlich positiver in Erscheinung trat. Seinen Freistoß kopfballerte Gonther gleich zwei Mal in Richtung Sandhausentor, ehe die Kugel endlich hinter der Linie war.

 Schachten macht’en

St. Pauli war nun besser und wenig deutete auf eine erneute Führung für den Gastgeber hin. Die bereitete dann aber Kalla, der irgendwie einen gebrauchten Tag (schlechtes Sonderangebot?!) hatte, mit einem lupenreinen Riesenbock vor. Tschauner führte den Abstoß kurz auf Kalla aus, der erst den Ball mies annahm und dann in Bedrängnis zum Keeper zurückspielen wollte. Weil auch das reichlich misslang, konnte Adler dazwischen gelangen und ganz in Ruhe einschieben.

A propos: Die Vrabec-Elf hatte auch nach dem abermaligen Rückstand null Böcke auf eine Niederlage. Halstenberg gelang mit seinem schwächeren Fuß in einer seiner stärkeren Szenen die Flanke auf den eingelaufenen Schachten. Der hielt seinen Latschen mit der nötigen Körperspannung und Präzision hin und traf volley ins lange Eck.

Bock, Bock. Doppelbock.

Eine Viertelstunde war noch zu spielen, doch St. Pauli brauchte gerade einmal zwei Minuten zur erstmaligen Führung in dieser Partie. Die Flanke von Gregoritsch konnte Sandhausen nur bis zur Strafraumgrenze klären. Dort kam Rzatkowski (Bodenturner-Gardemaß) an den Ball, ließ seinen Gegenspieler mit einer feenhaften Bewegung ins Leere springen und stupste anschließend den Ball im Fallen exakt rechts unten hinein. Die Schlussphase überstanden die Braun-Weißen erstaunlich souverän. Mit dem Auswärtssieg in Sandhausen, der sich lange nicht angedeutet hatte, hält der FCSP den Kontakt nach oben. Weil Paderborn sein Spiel gegen Düsseldorf verliert, ist St. Pauli sogar wieder auf drei Punkte an die Ostwestfalen und damit an Rang drei heran. Damit birgt das Verfolgerduell am kommenden Freitag gegen Lautern (Heimspielflutlichtdom, ne?!) mehr Brisanz denn je.

Zum Ende noch etwas Lobhudelei. Mittlerweile hat wohl auch der/die/das Letzte erkannt, welcher Spieler nicht nur derzeit St. Pauli schlechthin auf den Platz bringt. Wir wussten das natürlich schon immer, lassen uns aber vom momentanen Hype nicht irritieren. Zumal die Mehrheit Schachten nach wie vor als „Kampfsau“, Pferdelunge“ oder dergleichen bezeichnet und die humoristisch-ästhetischen Gesichtspunkte seiner Spielweise noch nicht im Stande ist zu erfassen.

Das Schlusswort überlassen wir heute der Taz und ihrem Portrait ihrer fast treffenden Liebeserklärung an Sebastian. Das sehen wir bereits seit Jahren genauso!

Wenn die Mitspieler ihre Köpfe und Schultern bereits leicht hängen lassen, dann packt den Mann die Wut. Als stünde er unter Drogen, marschiert er dann los. Mit gesenktem Kopf wie ein Stier, den Tunnelblick auf die Grasnarbe gerichtet, setzt er sich in Bewegung. Mit ausladenden Schritten und rudernden Armen, den Ball eng am Fuß, ab an der Außenlinie über den ganzen Platz bis hin zum gegnerischen Tor. Mit fairen Mitteln nicht aufzuhalten. Oder er zimmert die Kugel einfach aus über zwanzig Metern rein – wie gegen Sandhausen.

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2 Gedanken zu “You turn me on!

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